"Es ist wohl an der Zeit, sozusagen verdammt nötig, dass ich mal meine Sicht der Dinge klarstelle. Schon wegen der netten Grüße aus der Nachbarschaft, die sich in den letzten Tagen auf meiner Fußmatte angehäuft haben - faulige Bananen und Äpfel, alte Salatköpfe und zerschlagene Eier - besonders lecker jetzt im Hochsommer, dazu die zwei gefüllten Kondome, rosa genoppt, aber immerhin zugeknotet, danke. Ich schreibe alles auf, was bleibt mir anderes übrig." Gemeinheiten, Frust und handfester Krach bestimmen den Alltag in Anna Katharina Hahns Erzählband "Sommerloch". In den rotzfrechen Geschichten kommen Menschen aus den unterschiedlichsten Milieus zu Wort - und zeigen sich dabei nicht immer von der nettesten Seite: als mittelmäßige Vorortmachos, die im Freibad auf Frischfleisch lauern, als diätbesessene Karrierefrauen oder ausgekochte Provinzgören, die sich etwas Geld dazuverdienen ...
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.11.2000
Ulrich Noller hat die 30jährige Debütantin Anna Katharina Hahn für sich und das Feuilleton entdeckt. In den "ein knappes Dutzend" umfassenden Erzählungen ihres ersten Bandes schreibe sie in "spöttischen bis bitterbösen Miniaturen" aus dem deutschen Großstadtalltag "fiese, kleine Geschichten mit doppeltem Boden". So schildere sie in der Erzählung "Die Vorteile der Mütter", wie sich ein Mann an eine alleinerziehende Frau heranmacht, weil diese so dankbar sei. Spielerisch versetzt sich Hahn dabei in ihre Charaktere von Schuhverkäufern über Hundezüchter bis zu Langzeitstudenten, findet der Rezensent. Zwar erzähle sie aus der Ich-Perspektive, doch habe sie genug "fiktionale Substanz" um nicht autobiografischer Prosa aufzusitzen. Als Popliteratin möchte der Rezensent seine Entdeckung nicht verstanden wissen, vielmehr vergleicht er sie mit der ebenfalls aus Hamburg stammenden Erzählerin Karen Duve. Das soll ein Kompliment sein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.10.2000
Agnes Hüfner macht in einer knappen Notiz auf das Erstlingswerk einer jungen, in Hamburg lebenden Autorin aufmerksam, das sie durchaus für lesenswert hält. In den 22 Kurzgeschichten geht es um Menschen aus unterschiedlichen Milieus, meist im städtischen Raum angesiedelt. Allen gemeinsam ist ihr Einzelgängertum und dass sie nicht so recht in die bürgerliche Gesellschaft passen. Hüfner gefällt, wie Anna Katharina Hahn ihre Geschichten erzählt: `Mit Tempo und Witz, Stakkato, Jargon und schrägen Bildern treibt sie ihre Geschichten in überraschende, manchmal hanebüchene Schlusspointen.` Dass sie dabei ihren eigenen Ton findet und nicht einfach große literarische Vorbilder kopiert, rechnet die Rezensentin ihr besonders an.
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