Hubert Selby

Willow Tree

Roman
Cover: Willow Tree
Achilla Presse, Bremen 2000
ISBN 9783928398596
Broschiert, 394 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Günter Ohnemus. "Willow Tree" spielt in der Bronx, diesem heruntergekommenen Teil New Yorks. Bobby, ein 13jähriger Farbiger und seine Freundin Maria, eine Latina, werden von einer Gang Hispanics überfallen. Maria wird dabei so stark entstellt, daß sie noch im Krankenhaus Selbstmord begeht. Bobby wird von Moishe, einem KZ-Überlebenden, aufgelesen und gepflegt. Als Bobby vom Tod Marias erfährt, zerfrißt der Haß sein Hirn, er plant den Tod jener Spics, die Maria auf dem Gewissen haben. Sein neuer Freund Moishe hingegen macht den Versuch Bobby zu erklären, was Vergebung heißt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.12.2000

Man merkt dem Rezensenten Thomas Leuchtenmüller an, dass er damit ringt, dem neuen Roman des Skandalautors Hubert Selby jr. doch noch etwas abzugewinnen. Was Selby in "Last Exit to Brooklyn" hervorragend gelungen ist - eine schonungslose und beeindruckende Darstellung der New Yorker Schattenwelt - verflacht in "Willow Tree" zum Klischee, findet er. Bilder und Symbole seien überfrachtet, Gewalt werde distanzlos und unreflektiert dargeboten, das durch Widersprüche gekennzeichnete Bild Amerikas bleibe farblos. Einzig Selbys "außerordentliche Sprache" bewirke, so der Rezensent, dass man das Buch nicht nach kurzer Zeit zur Seite lege.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2000

Der Rezensent Tobias Döring holt weit aus - "`Pathos` bedeutet `Unglück`, `Leid` und `Leidenschaft`..."- um deutlich zu machen, dass der, wie er findet, pathetische Gestus "als andauernde Erregungs- und Erzählhaltung" des Romans ihn einigermassen ermüdet hat. Ständig werden die ganz großen Gefühle in Szene gesetzt, in deren Strudel der Leser daher auch unvermeidlich geraten muss. Dabei ist die Geschichte selbst "reichlich schlicht und schematisch": ein Deutscher, der - als Jude denunziert - im KZ war, macht nach Kriegsende einen Neuanfang in den USA; als sein Sohn in Vietnam umkommt und seine Frau aus Gram darüber stirbt, findet er im Alter Trost durch die Pflege eines bei einem Bandenüberfall schwer verletzten jungen Schwarzen, den er am Ende von der "Botschaft christlicher Vergebung" überzeugen kann. Auch die Milieustudien Selbys, der den Erfolg seines großen Wurfs "Letzte Ausfahrt Brooklyn" von 1964 nie mehr wiederholen konnte, haben den Rezensenten wenig überzeugt. Er findet die "Konstruktion sozialer Opferrollen und ihrer Überwindung verfehlt bzw. veraltet, und weist auf die jüngste afro-amerikanische Literatur (z.B. Beattys "Der Sklavenmessias") hin, die angefangen hat, sich mit Ironie und Distanz von "Ghetto-Klischees" abzusetzen, deren Pathos also gerade zu verabschieden.
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