Anna Katharina Fröhlich

Wilde Orangen

Roman
Cover: Wilde Orangen
DuMont Verlag, Köln 2004
ISBN 9783832178758
Gebunden, 312 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Jung soll sie sein und das Glück mit ihr schwindelerregend, märchenhaft schön und klug wünscht sich der berühmte alternde Künstler Barna seine Geliebte, das Mädchen. Nach London, nach Rom oder Venedig führen ihre Reisen. "Wilde Orangen" erzählt von der 'unheilbaren Wunde' - die Liebe heißt - und in zauberhaften Bildern vom schützenden Haus der Herkunft, von Ordnung und Maß eines anderen Lebens.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.10.2004

Der Debütroman von Anna Katharina Fröhlich besitzt etwas Altmodisches, weshalb ihm der Verlag mit einem goldgerahmten Füssli-Gemälde wohl etwas Gutes tun wollte, spottet Hanns-Josef Ortheil. Eine Scheußlichkeit! Aber bloß nicht vom Titelbild abschrecken lassen, ruft er erschrocken aus, hinein ins Lesevergnügen! Das literarische Vorbild Fröhlichs heißt Flaubert, und entsprechend schickt sie ihre Protagonistin, ein junges, vaterloses Mädchen durch eine "Education sentimentale": eine junge Frau geht mit einem älteren, natürlich verheirateten Schriftstellers durch eine "Schreib- und Leselehre" und auf Reisen. In der Figur des Schriftstellers taucht der reale Vater Anna Katharina Fröhlichs auf, der Schriftsteller Hans Jürgen Fröhlich, der in den achtziger Jahren früh verstorben ist, wie Ortheil in Erinnerung ruft. Die Tochter nun hat sich den Raum der Kindheit zurückerobert, neu erfunden, schreibt der Kritiker, dafür die klassische europäische Literatur geplündert und die schönsten Metaphern aufgestöbert. Wie Fröhlich diese Metaphern blitzen und linken lässt, wie sie Literatur "zelebriert", findet Ortheil geradezu hinreißend: eine Sprache, die sich aller Sinne annehme und vor Lebensfreude fast zerspringe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2004

Anna Katharina Fröhlich zeige sich in ihrem Romandebüt von drei Dingen besessen, analysiert Gisa Funck: Von französischen Romanen des 19. Jahrhunderts, die ihre Protagonistin unablässig zu lesen bekommt, von religiös-moralischen Erwägungen und von "Zeichen eines wirkmächtigen Schicksals", die noch im Alltäglichsten und Banalsten wahrnehmbar würden. Die Handlung: Eine junge Frau, vom Alltagstrott ihres Dorfes gelangweilt (wie Emma Bovary), verfällt einem dreißig Jahre älteren Schriftsteller, der auf Durchreise ist. Dieser will sich allerdings nicht von seiner Frau trennen. Die Schauplätze wechseln, bleiben aber illuster, London, Rom, Venedig. Skrupel stellen sich ein, "die Geschichte einer Leidenschaft wandelt sich zur Chronik einer Läuterung", aus der Liebesgeschichte wird eine "moralische Parabel". Die "Wilden Orangen" des Titels entpuppen sich als die sprichwörtlichen verbotenen Früchte, von denen die Heldin genascht hat. "Kein origineller Plot", so die Rezensentin, "aber einer, der furios beginnt und furios endet mit einer Szene, in der der Schriftsteller, seine Ehefrau und die Geliebte zu einem letzten Wortgefecht aufeinandertreffen." Dazwischen allerdings passiere "leider nicht viel". Trotz ihres "eigenwilligen, poetischen Stils" und einer guten Beobachtungsgabe muss Funck der Autorin bescheinigen, sie vermittle den Anschein, "in einem anderen, früheren Jahrhundert hängen geblieben" zu sein.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.06.2004

Huch, was ist das denn Tolles: "Ein deutsches Prosadebüt, das leichtfüßig lustvoll, unverkrampft geistreich und altmodisch schönheitsversessen daherkommt." Und das Kristina Maidt-Zinke Laune aufs Lesen und Leben gemacht hat. Leben wie die Erzählerin, ein "Mädchen" mit exzentrischer Familiengeschichte und exzessiver Leselust: mit Schwung und Geist, gut austariert. Das Mädchen wohnt in zugigen Verhältnissen am Gardasee und hat ein Verhältnis mit einem sehr viel älteren Mann, der sie nach London, Rom und in die Behaglichkeit von Luxus, Ordnung und (väterlicher) Liebhaberschaft mitnimmt. Er ist auch langweilig und pedantisch und verheiratet, aber "erotische Illusionen" lassen sich ja bekanntlich von Erkenntnis nicht aufhalten. Wem es nun scheint, dass Handlung und Titel des Buches mit "Trivialkitsch" kokettieren, dem gibt Maidt-Zinke recht. Doch wie heißt es irgendwo im Roman: "Wer wirklich komisch ist, der kann nicht banal sein." Fazit: Ein Roman voller "Sprachverliebtheit" und jener "inneren Freiheit (?), die dem vertrauten Umgang mit großer Kunst entspringt".
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