Anna Funder

Stasiland

Cover: Stasiland
Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2004
ISBN 9783434505761
Gebunden, 350 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Harald Riemann. Anna Funder ist Archäologin. Ihre Grabungsstätte ist die deutsche Vergangenheit. Unbelastet von Geschichte, von Erinnerung, von irgendeiner Ost-West-Ideologie befragt sie Opfer und Täter, Mitläufer, Kollaborateure, Agenten, Widerstandskämpfer und Helden und schreibt ihre Geschichten auf.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.07.2004

Nicht gänzlich, aber "weitgehend" gelungen findet Rezensent Hans-Joachim Föller den Versuch Anna Funders, ein "authentisches Bild der Erfahrungswelt DDR" zu zeichnen. Funders Sammlung von Interviews mit Tätern und Opfern der DDR-Diktatur sei nämlich mit "einigen Fehlern behaftet". Rezensent Föller gibt dafür Beispiele: So bei einem ehemaligen Stasimann, einst zuständig für Anwerbung von Informanten, der behauptet "65 Prozent der Kirchenführer" wären "IMs" gewesen - Föller bezeichnet die Zahl unter Berufung auf Birthler-Behörde und Kirchenhistoriker als "viel zu hoch". Auch einen gescheiterten Schneider, der behauptet, seine DDR-Wohnung habe "450 Mark" gekostet, hält Föller für "nicht überzeugend". Solche Schnitzer mindern für Rezensenten den Wert des Buches "stellenweise erheblich"; dennoch erkennt er es letztlich als "informativ und in seiner Erforschung von Seelenlandschaften eindrucksvoll" an.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.06.2004

Sicher gab und gibt es immer wieder Berichte, die sich mit Einzelschicksalen in der DDR befassen, gibt Eva Behrendt zu. "Überraschenderweise" fehlt es bisher aber an Unternehmungen, die menschlichen Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammenzufügen. Anna Funders diesbezüglicher Versuch gelingt. "In bester angelsächsischer Tradition" versuche Funder dabei, nicht künstlich objektivierend zu wirken, sondern ihre Neugier so in ihre Reportagen mit ein zu beziehen, dass "fast so etwas wie ein erzählerischer Bogen" und damit schließlich ein Roman entsteht. Nicht alle Personen, die Funder getroffen hat, sind neu, schreibt die beeindruckte Rezensentin, originell und einmalig findet sie aber die "treffenden" Schlussfolgerungen der australischen Journalistin.
Stichwörter

Beliebte Bücher

Nelio Biedermann. Lázár - Roman . Rowohlt Berlin Verlag, Berlin, 2025.Nelio Biedermann: Lázár
Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…
Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…