Alison Lewis

Die Kunst des Verrats

Der Prenzlauer Berg und die Staatssicherheit
Cover: Die Kunst des Verrats
Königshausen und Neumann Verlag, Würzburg 2003
ISBN 9783826024870
Broschiert, 272 Seiten, 36,00 EUR

Klappentext

Nach der Enttarnung der beiden hochrangigen Spitzel Sascha Anderson und Rainer Schedlinski im Prenzlauer Berg reichten die Anschuldigungen von der Aushöhlung von innen, über die Simulation und Steuerung der Literatur bis hin zum Vorwurf der Entpolitisierung. Durch eine Lektüre der gesamten Akten geht die Studie der Frage nach, was die Staatssicherheit mit der Strategie der Unterwanderung bezweckt hat und tatsächlich bewirken konnte. Durch die Akten und autobiografische Zeugnisse der IM wird es möglich, den Habitus der Informanten, ihre Einstellung zur Macht und zum Untergrund und die beabsichtigten und unbeabsichtigten Wirkungen ihres Handelns zu untersuchen. Es ist die Geschichte des Verrats an dem Staat und an Freunden und die Geschichte des Verrats als hochartifizielle Kunst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.07.2003

Ein "bemerkenswertes Buch", lobt Jörg Magenau, noch dazu eines mit einer neuen Perspektive auf die DDR-Literaturboheme am Prenzlauer Berg, speziell auf die Figur - und die Literatur! - des Stasispitzels Sascha Anderson, denn die Australierin Alison Lewis interessiere sich "weniger für Fragen der Moral als für ästhetische Konsequenzen der Kollaboration". Ihr Ergebnis: Das Verhältnis zwischen Autonomie und Staatstreue in der Kunst ist keine Frage von Entweder/Oder, sondern nur als "merkwürdige, widersprüchliche Einheit" beschreibbar. Anderson war nicht zuerst ideologisch verblendet und wurde infolge dessen zum Spitzel, sondern das "Ritual des Verrats" selber habe die Ideologie hervorgebracht, die dann, auf dem Feld der Kunst selber, in einer ambivalenten Einheit mit den autonomen Impulsen existierte. Sascha Anderson, der sprachkritische Autor, war zugleich der Spitzel. Und als Verräter an der Kunst lag ihm zugleich der Bestand der Szene am Herzen. Keine Jekyll-und-Hyde-Geschichte also, könnte man vielleicht sagen, sondern eher ein Bund mit dem Teufel. Der Antrieb hinter all dem war freilich Machtgier. Und deshalb, so Magenau, ist es richtig, dass Anderson später, als er seinen autobiografischen Roman herausbrachte, der "Rückzug ins Ästhetische" verwehrt blieb.
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