Andrew Taylor

Das Recht des Fremdlings

Roman
Cover: Das Recht des Fremdlings
Zsolnay Verlag, Wien 2001
ISBN 9783552051591
Gebunden, 384 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Sonja Hauser. Eigentlich könnte Roth, der kleine Vorort von London, eine Idylle sein. Doch dann passieren Dinge, die teilweise nicht mit dem Verstand zu erklären sind. Beobachtet werden sie von einem stillen fünfzehnjährigen Jungen, dessen Leben sich in diesem Sommer für immer verändern wird. Andrew Taylor nutzt den Hintergrund des traditionellen englischen Kriminalromans, um die manchmal kaum entwirrbaren Wurzeln von Sex, Gewalt und Religion zu erforschen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.06.2001

Felicitas von Lovenberg weist darauf hin, dass es sich hier nicht um einen klassischen Krimi handelt, denn schließlich lässt der Autor den Leser über dreihundert Seiten auf den Mord warten. Diese Wartezeit wird aber offenbar gut überbrückt, denn die Rezensentin zeigt sich geradezu begeistert darüber, wie Taylor die zunehmenden Verwicklungen im englischen Dörfchen Roth schildert, in dem "bald jeder seine Frustrationen (hat), über die er nicht reden kann". Aus der dörflichen Mischung zwischen Bigotterie, Getuschel, Religion, Affären kocht Taylor nach Lovenberg geschickt ein "Süppchen, dass er auf kleiner Flamme vor sich hin köcheln lässt". Figurenhandhabung und Form sind nach Diagnose der Rezensentin durchaus traditionell, was der Qualität des Buch jedoch keinen Abbruch tue. Insgesamt erscheint es ihr, als habe Taylor durch "intensive Farbtupfer auf längst verblassten Fotografien eine vergangene Welt" in die Gegenwart geholt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.02.2001

In einer Doppelrezension stellt Tobias Gohlis die zwei ersten Teile einer Trilogie vor, die versucht, sich einem Verbrechen von verschiedenen Seiten zu nähern. Autor Taylor geht bei seiner Untersuchung von der Gegenwart in die Vergangenheit des im Mittelpunkt stehenden Städtchens Roth. Dieses sei charakterisiert durch "die Kirche, das Herrenhaus, einen Pub und einen trüben Bach" - und damit prototypischer Schauplatz zahlloser Kriminalromane.
1) "Die vier letzten Dinge" (Zsolnay-Verlag)
Im ersten Teil der Trilogie erzählt der Autor die Entführung eines vierjährigen Mädchens und spielt dabei derart subtil und wirkungsvoll mit der Phantasie des Lesers, dass Gohlis ihm den Titel eines "Meisters des Grauens" verleiht, der selbst "hartgesottene Krimileser" in "Albträume verfallen" lasse. Seinen Abschluss und Höhepunkt finde das Buch in einem "vollständigen Nichtverstehen" der Situation, das den Ausgangspunkt für die nachfolgenden Bände bildet.
2) "Das Recht des Fremdlings" (Zsolnay-Verlag)
Im zweiten Teil der Trilogie spürt Autor Taylor den feinen Haarrissen in der kleinbürgerlichen Idylle nach, in deren Mittelpunkt diesmal der Gemeindepfarrer steht. Dieser durch "zehnjähriges Zölibat gestärkte Witwer" ist nur scheinbar Herr seiner selbst, erzählt Gohlis. Er habe in Wahrheit mit einem "Triebstau" zu kämpfen, der ihn derart einnimmt, dass er die Andeutungen, der sich nähernden Katastrophe nicht wahrnimmt und selbst immer tiefer in den Sog seiner Obsession und Scham gezogen wird. Der Roman lässt sich auch ohne Kenntnis des Vorgängers verstehen, versichert Gohlis. Wer den ersten Teil kenne, finde aber noch mehr Lesegenuss.
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