Andrev Walden

Scheißkerle

Roman
Cover: Scheißkerle
Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN 9783630878157
Gebunden, 416 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Justus Carl. Ein Buch über einen Sohn - und seine Väter: "Ich hatte einmal sieben Väter in sieben Jahren. Dies hier ist die Geschichte über jene Zeit. Wenn etwas davon erfunden klingt, kannst du sicher sein, dass es wahr ist."Weihnachten 1983, in einem Haus in den schwedischen Wäldern. Während draußen der Schnee fällt und ein kleiner Junge auf den Weihnachtsmann wartet, kommt es drinnen zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung, die dazu führt, dass der Mutter ein Geheimnis entschlüpft. Der siebenjährige Junge namens Andrev erfährt an diesem Tag, dass sein Vater nicht sein richtiger Vater ist. Der lebt in einem Land in weiter Ferne und hat lange schwarze Haare. Wie ein Indianer, sagt die Mutter, und deutet auf den Ellbogen, damit der Junge es auch wirklich versteht. Das Herz des Jungen hüpft vor Freude. Das ist das Beste, was er je gehört hat. Es fühlt sich für ihn an, als sei er ein Junge in einem Buch über einen Jungen, der gerade erfahren hat, dass sein Vater der König eines geheimnisvollen Reiches ist. Es fühlt sich für ihn an, dass bald ein guter Geist kommen wird, um ihn dorthin mitzunehmen. Aber so ist es nicht. Kein guter Geist wird kommen, nur neue Väter, die nicht die seinen sind. Andrev Waldens  Romandebüt ist eine wilde Geschichte über das Aufwachsen in Zeiten der '68-Bewegung, über Mütter, die "diese Scheißkerle" küssen und unter der Dunstabzugshaube rauchen, über die Liebe, wie sie beginnt und wie sie endet, über einen skalpierten Hamster und den Hauch eines Wunders, vor allem aber eine Geschichte über Männer.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 05.10.2026

Abrechnungen mit der eigenen Kindheit gibt es in der Gegenwartsliteratur ja viele, räumt Rezensentin Justine Konradt ein, und auch Andrev Waldens Titel "Scheißkerle" lässt erstmal darauf schließen. Sein Ton ist dann aber doch ein ganz anderer, versichert sie: Die Handlung setzt damit ein, dass Andrev erfährt, dass der Mann, der ihn gerade verprügelt, nicht sein leiblicher Vater ist. Die Mutter verlässt den Stiefvater und hat alle Nase lang einen neuen Partner, an jenen entlang erzählt Walden die Kindheit seines gleichnamigen Protagonisten. Mit "schelmischem, klugen, ehrlichen Blick" guckt er auf die Männer, lobt Konradt, und gibt ihnen Spitznamen: Einer ist der Pflanzenmagier, ein anderer der Dieb. Bei aller Tragik, die in der Geschichte um eine Mutter steckt, die sich ständig neuen Männern unterordnet und ihrem Sohn jegliche Stabilität nimmt, wird das Buch für die Rezensentin doch von einem feinfühligen Humor getragen. Für sie hat es völlig zurecht monatelang auf der schwedischen Bestsellerliste gestanden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.12.2025

Rezensent Nils Schniederjann liest Andrev Waldens Buch über eine Kindheit mit wechselnden Vätern und Gewalterfahrungen trotz der geschilderten Härten mit einem Lächeln im Gesicht. Das liegt an Waldens "liebevollem Sound" und dem unbedingten Willen des Autors über die Widerstands- und Erfindungskraft des Kindes zu berichten. So entsteht laut Schniederjann keine klassische Coming-of-Age-Story oder ein beinharter Sozialreport aus dem schwedischen alternativen Milieu, sondern eine von einem leichten, mitunter lustigen Ton getragene Geschichte über autoritäre Stiefväter und die verklärende Perspektive des Kindes.
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