Lena Andersson

Der gewöhnliche Mensch

Roman
Cover: Der gewöhnliche Mensch
Luchterhand Literaturverlag, München 2022
ISBN 9783630876092
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Schwedischen von Antje Ravik Strubel. Was, wenn der Traum von einer gerechten Gesellschaft plötzlich vorbei ist? Was ist die richtige Art zu leben? Scharfsinnig und mit abgründigem Witz erzählt die preisgekrönte schwedische Bestsellerautorin Lena Andersson von den Träumen und Lebenslügen einer scheinbar ganz gewöhnlichen schwedischen Familie.Ragnar Johansson ist Möbeltischler und Werkstattlehrer. Ein kantiger und sehr korrekter Mensch, der stolz darauf ist, als Handwerker einer der Bausteine des schwedischen "Volksheims" zu sein. Er glaubt an den Wohlfahrtsstaat und ist davon überzeugt, dass dieser die Menschheit aus dem finsteren Mittelalter in die Moderne geführt hat. Hatte Schweden nicht in den 1970er Jahren schon die meisten Kindertagesstätten, die geringsten Lohnunterschiede, den größten Filmregisseur, die vorderste Kinderbuchautorin, den besten Slalomläufer, Tennisspieler und die beste Popband? War dieses Leben nicht besser als das seiner Mutter Svea, die aus ärmlichen bäuerlichen Verhältnissen stammt? Lange Zeit versucht Ragnars Tochter Elsa, den hohen Idealen ihres Vaters gerecht zu werden. Doch irgendwann schert auch sie aus. Die Zeit, so scheint es Ragnar, ist plötzlich nicht mehr seine.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2023

Schwere Gedanken und Witz vereint Lena Andersson in ihrem Roman - und das ist für Rezensent Aldo Keel eine reife Leistung. Denn die Autorin aus der "Topliga der schwedischen Gegenwartsliteratur" befasst sich in dieser Generationengeschichte mit dem Wohlfahrtsstaat, der in den 1930er Jahren in Schweden als "Folkhemmet" von den Sozialdemokraten installiert wurde, führt Keel aus: Wie die Volksheim-Politik die Gesellschaft prägte, was Ragnar und seiner Mutter Svea passiert, warum der Glaube an die Unverletzlichkeit durch Strebsamkeit und Unterordnung zur Jahrtausendwende wie ein Kartenhaus einstürzte und wie Andersson dies mit allegorischen Figuren erzählt, beeindruckt den Rezensenten zutiefst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.12.2022

Als "Lektürenvergnügen ersten Ranges" empfiehlt Rezensent Stephan Opitz Lena Anderssons Roman "Der gewöhnliche Mensch", der die Geschichte des schwedischen Volksheims anhand des ganz gewöhnlichen Ragnar Johansson erzählt. Ragnar hat die Werte der schwedischen Sozialdemokratie - Leistungsdenken und Gemeinwohl, Fleiß und Rationalität - verinnerlicht, seine Kinder jedoch kommen damit schon nicht mehr klar, wie der Rezensent darstellt, sie sperren sich gegen die permanent geforderte Ertüchtigung in Schule und Sport. Opitz zufolge arbeitet die Autorin mit vielen Anspielungen und Verweisen, jeder Name hat eine für Schwedenkundige erkennbare Bedeutung. Die "feinen Haarrisse im Leben" des Einzelnen, aber auch in dem des Kollektivs lasse die Autorin sehr kunstfertig zu Tage treten, lobt der Rezensent. 
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