Aus dem Russischen von Albert Frank. Wenn Sieger zu Besiegten werden. Wolos` "Roman in punktierter Linie" erzählt von der Geschichte der Russen in Tadshikistan. Seit 1868 Kolonialherren dieses an Afghanistan grenzenden Gebietes, begann für sie 1991 mit der Unabhängigkeitserklärung der Republik Tadshikistan die Zeit von Rückzug und Vertreibung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.05.2000
Tilman Spreckelsen zählt diesen Roman zu "den Glücksfällen der russischen Gegenwartsliteratur". Er hebt dabei hervor, dass Wolos bei seiner Schilderung der Probleme, mit denen Russen in Tadschikistan und auch bei ihrer Rückkehr nach Russland zu kämpfen haben, nicht Partei ergreift oder ein "verkapptes Geschichtsbuch" geschrieben hat. Die Stärke des Buches liegt seiner Ansicht nach vor allem im Atmosphärischen, in der leisen, unspektakulären Weise, mit der Wolos ein beeindruckendes "Epos der Gewalttätigkeit" geschrieben habe, was aber gerade deshalb bisweilen ans Unerträgliche grenze. Spreckelsen betont, dass der Leser nicht notwendigerweise besondere Vorkenntnisse oder gar Interesse für Tadschikistan besitzen müsse, um dieses äußerst spannende Buch mit Gewinn zu lesen. Allerdings hätte der Rezensent einen kurzen Abriss über die Geschichte des Landes und eine Karte im Anhang durchaus nützlich gefunden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2000
Ulrich M. Schmid redet nicht lange um den heißen Brei herum: Churramobod gehört für ihm "zum Besten (...), das in den letzten zehn Jahren in Russland geschrieben wurde". Dabei sieht Schmid in dem Buch den Schwerpunkt weniger in der politisch brisanten Thematik, nämliche dem schwierigen Verhältnis von Russen und Tadschiken, sondern "in der anspruchsvollen Komposition". Überblendungen, verschiedene Ebenen und - noch einmal - eine "abwechslungsreiche und doch stringente Komposition" sind seiner Ansicht nach die wesentlichen Stärken des Buches. Darüber hinaus gelingt es Wolos, wie Schmid betont, die erheblichen Probleme treffend zu analysieren, jedoch ohne dabei den moralischen Zeigefinger zu heben. Schmid ist sich sicher, dass man als Leser von Wolos auch in der Zukunft noch Beeindruckendes zu erwarten hat.
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