Sie besetzen öffentliche Gebäude, steigen auf das Brandenburger Tor, stellen Hinrichtungen nach, stören Vorlesungen, führen Flashmobs auf und marschieren durch Innenstädte. Ihr schwarz-gelbes Logo, der griechische Buchstabe Lambda, ist auf zahlreichen Internetseiten präsent. In den letzten Jahren hat sich die Identitäre Bewegung (IB) fest in der politischen Landschaft verankert. Sie besteht zwar nur aus einer Aktivistengruppe von etwa 800 Mitgliedern, wird aber von Zehntausenden finanziell unterstützt. Ihre rechtsextremen Inhalte verbindet sie geschickt mit einem popkulturellen Habitus. Zentrales Thema: die angebliche Islamisierung des Abendlandes. Die gesamte Neue Rechte begrüßte die agilen Jugendlichen "ohne Migrationshintergrund", die mit Aktionsformen der 68er-Bewegung auf sich aufmerksam machen. Beste Beziehungen bestehen längst zur Alternative für Deutschland und zu fremdenfeindlichen Organisationen im europäischen Ausland.
13 Autoren, die seit Jahren die Entwicklungen in der rechten Szene kritisch begleiten, legen einen fundierten Übersichtsband vor, der die Entwicklung der Identitären Bewegung darstellt, ihre Ideologie analysiert, Aktionen beschreibt und Netzwerke offenlegt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.02.2019
Rezensent Justus Bender empfiehlt den von Andreas Speit herausgegebenen Band nicht nur AfD-Politikern, die gern mit den "Identitären" fraternisieren. Viel zu lernen ist aus dem Buch, das die Bewegung und ihre straffe Organisation in ungewohnter Dichte darstellt, versichert Bender. Dass die "Identitären" sich intellektuell geben und eine kulturelle Hegemonie anpeilen, dass es um einen Kampf der Haltungen geht und das Mittel der Provokation, dass dahinter aber krude "Blut und Boden"-Ideologie steckt - all das erfährt der Rezensent aus der Lektüre.
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