Der Niedergang des Bürgertums seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert ist vielfach beschrieben worden - literarisch ebenso wie wissenschaftlich. Andreas Schulz wählt hingegen einen ganz anderen Ansatzpunkt: Bürgerlichkeit wird in seinem Studienbuch (auch) als krisenfestes Leitbild sichtbar, das bis in heutige, postmoderne Zeiten als Identifikationsmöglichkeit Bestand hat und jenen, die sich dem Bürgertum zugehörig fühlen, Rückhalt bietet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2005
Als "wahre Bereicherung für die Geschichtswissenschaft" würdigt Rezensentin Florentine Fritzen diese Arbeit von Andreas Schulz, die "klug und spannend" Lebenswelt und die Kultur des Bürgertums im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert darstellt. Wie Fritzen berichtet, gliedert sich der Band in einen darstellenden Teil und eine Analyse des Forschungsstands, gefolgt von einer ausführlichen Bibliographie, die neben der Sekundärliteratur auch Quellentexte verzeichnet. Fritzen hebt hervor, dass Schulz nicht primär nach dem Verbleib des Bürgertums als sozialer Klasse fragt. Vielmehr nehme er sich des bürgerlichen Handelns an und beschreibe so Kontinuitäten und Brüche der Bürgerkultur und der bürgerlichen Lebenswelt, ohne in das gängige Niedergangsparadigma zu verfallen. Aufschlussreich findet sie zudem, wie der Autor Bürgerlichkeit oft in Phänomenen des Alltagslebens sichtbar macht, etwa in der Konsumkultur der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts - und zugleich in der bildungsbürgerlichen Kritik am Konsumismus.
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