Das Buch basiert auf Beiträgen einer Historiker-Konferenz, die im November 2005 in Basel stattfand. Die Beiträge wurden nicht ins Deutsche übersetzt. Sieben Beiträge sind auf deutsch, sechs auf englisch und zwei auf französisch abgedruckt. Der Völkermord an den Armeniern ist eines der international brisantesten Geschichtsthemen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler thematisieren in diesem Band den Stand der Forschung, die Erschließung neuer Quellen und den historiographischen Umgang mit diesem Thema. Es geht dabei um den gesellschaftspolitischen Stellenwert der historischen Forschung, die Verantwortung Europas und die Bedeutung der Menschenrechte. Die Autorinnen und Autoren loten verschiedene, auch literarische Zugänge zu einem Trauma aus, für das noch keine gemeinsame Sprache gefunden werden konnte. Die offizielle Türkei weigert sich bis heute, die historische Verantwortung für die Vernichtung ihrer damaligen osmanischen Mitbürger wahrzunehmen. In letzter Zeit aber, im Zusammhang mit der Annäherung an Europa, sind die Dinge in Bewegung geraten. Vermehrt melden sich Stimmen aus der Türkei zu Wort, die die alten Tabus und Denkverbote ablehnen und eine kritische Aufarbeitung der Geschichte in Angriff genommen haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.11.2007
Einen kritischen Blick wirft Rezensentin Florentine Fritzen auf diesen Sammelband zum Genozid an den Armeniern. Zwar scheinen ihr eine Reihe von Beiträgen recht interessant, etwa die über den gewandelten Umgang vieler Türken mit dem Völkermord. Aber mit der Einleitung des Mitherausgebers Hans-Lukas Kieser sowie einigen Beiträgen, die den Völkermord an den Armeniern in Beziehung zum Judentum oder zum Holocaust setzen, ist sie nicht einverstanden. Sie widerspricht Kieser, der meint, die Armeniervernichtung sei in Deutschland ein "heikles Thema", knüpfe sich doch daran die Frage nach der Judenvernichtung. Als "heikel" erachtet die Rezensentin demgegenüber, was sie diesen Beiträgen vorhält, nämlich a priori eine teleologische Beziehung zwischen dem Genozid von 1915 und dem Holocaust herzustellen, aber keine überzeugenden Belege dafür zu liefern.
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