Er prägte das von Walter Gropius gegründete Bauhaus, dem er als einziger Meister vom ersten bis zum letzten Tag angehörte - von 1919 bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten 1933 -, wie kaum ein Zweiter. Mit seinen Freunden Paul Klee und Wassily Kandinsky revolutionierte er die Kunst. Später wurde er so populär und von der Alltagskultur eingemeindet, dass man Bilder von ihm als Plakate bei einem großen schwedischen Möbelhaus kaufen konnte: Lyonel Feininger. 1871 in New York geboren, hielt er sich von seinem siebzehnten Lebensjahr an fast ein halbes Jahrhundert lang in Deutschland auf. Den Großteil dieser Zeit verbrachte er in Berlin, wo sich auch die rätselhaftesten Episoden seines Lebens abspielten. Warum blieb er, obwohl als "feindlicher Ausländer" registriert, während des Ersten Weltkriegs? Und warum verließ er, obwohl mit einer Jüdin verheiratet und Vater dreier Söhne, Nazi-Deutschland erst 1937? In der Persönlichkeit des Malers spiegelt sich das Dilemma einer doppelten Exil-Existenz im 20. Jahrhundert.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.09.2021
Rezensent Harald Eggebrecht lernt mit Andreas Platthaus' Feininger-Biografie einen großen Künstler und einen scheinbar eher kleinen Menschen kennen. Wie sich der Maler und Bauhäusler von thüringischen Dörfern und im US-Exil von Manhattans Hochhäusern inspirieren ließ, erfährt Eggebrecht bei Platthaus ebenso wie er Feiningers Hitler-Begeisterung kennenlernt und vom Versäumnis des Künstlers liest, seiner ersten, jüdischen Frau zu helfen. So sorgfältig der Autor seinen Gegenstand auch bearbeitet, so ungreifbar bleibt Feininger letztlich für den Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.06.2021
Rezensentin Eva Hepper lernt viel in Andreas Platthaus' Biografie des Malers Lyonel Feiniger, die sie als gründlich recherchiert und leicht erzählt lobt. So erfährt sie zum Beispiel, dass Feiningers Eltern fürchten mussten, ihr Sohn Lyonel würde eine Banklehre machen, dabei sollte er doch was Anständiges werden, nämlich Künstler, besser noch Musiker. Aber der gebürtige Amerikaner Feiniger wurde Maler, ging nach Deutschland und blieb, wie die Rezensentin von Platthaus lernt, sein ganzes Künstlerleben lang hin und her gerissen zwischen Tradition und Moderne. Und dass er eher unpolitisch war, konservativ-nationale Gefühle hegte und erst 1937 Deutschland verließ, liest sie ebenfalls.
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