Andreas Maier

Sanssouci

Roman
Cover: Sanssouci
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009
ISBN 9783518420300
Gebunden, 303 Seiten, 19,80 EUR

Klappentext

An einem heißen Sommertag wird auf dem Frankfurter Hauptfriedhof der tödlich verunglückte Regisseur Max Hornung beerdigt. Nach seinem Umzug aus Frankfurt am Main lebte er in Potsdam. Von dort sind als Trauergäste angereist: Merle Johansson, eine zwielichtige Schönheit, mit ihrem kleinen Sohn Jesus, die eigenwillig verwahrlosten Zwillinge Heike und Arnold und ein paar Fernsehleute. Der Russlanddeutsche Alexej, Novize eines russisch-orthodoxen Klosters, ist aus München gekommen ... Was hatten sie alle mit Hornung zu schaffen?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 31.01.2009

Ein "höchst merkwürdiges Buch" nennt Ina Hartwig den neuen Roman von Andreas Maier. Dennoch scheint sie überaus fasziniert. Der Roman kreist ihren Informationen zufolge um eine Reihe von teils skurrilen Figuren, die sich um den gütigen Mönch Alexej und eine fragwürdige Frau mit Doppelleben namens Merle Johannsson gruppieren. Die Geschehnisse, die sich in den unterirdischen Katakomben unter der Idylle des Parks von Sanssouci abspielen, werden dabei nur angedeutet, doch klar ist laut Hartwig, dass es sich um perverse Sexspielchen handelt. Sie sieht sich vom Autor an die "Tür de Sadescher Wunderkammern" geführt, ohne einen Blick hineinwerfen zu können, was natürlich die Phantasie anheize. Sie hebt hervor, dass Einfälle und Figuren erzählerisch nicht ausgeführt werden. Gerade deshalb entwickelt das Buch aber für sie einen gewaltigen Sog. Hartwigs Fazit: "Ein böses, ein rätselhaftes und gerade deshalb ein spannendes und manchmal ein ätzend komisches Buch."

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 22.01.2009

Fasziniert, manchmal angestrengt, aber letztlich begeistert hat Rezensentin Iris Radisch diesen Roman gelesen und sich mit Andreas Maier auf sein halsbrecherisches Himmelfahrtskommando in ein überhöhtes Potsdam begeben, das, wie sie schreibt, hier zur Plattform für die größte aller Menschheitsfragen wird: ?Was ist Wahrheit?? nämlich. In kunstvoller Weise gestalte Maier den prominenten Schauplatz zu einer ?biblisch-vorabendserienhaften Menschenbühne?, was immer man darunter verstehen mag, und schicke zahlreiches, mitunter nicht sehr reflexionsbegabtes Personal auf Antwortsuche. In diesem Kontext sieht die Rezensentin Milieustudien von alleinerziehenden Biomüttern, Mönchen oder fanatischen Vegetarier aufschimmern und das Alltagsgeschwätz philosophische Dimensionen annehmen, bevor es schnurstracks an den Abgrund führt. Leeres Zentrum sei der Regisseur einer Vorabendserie, die in Potsdam spiele, der aber selbst verborgen bleibe. Die Komposition, die Radischs Ansicht nach mit ihren Spiegelachsen und Verdoppelungen einem barocken Garten gleicht, macht das Lesen mitunter zur Schwerarbeit. Trotzdem beschreibt die Rezensentin den Mehrwert als immens, denn Roman und Autor treten aus ihrer Sicht mit geradezu romantischer Wucht aufs Parkett - der Name Novalis fällt in diesem Zusammenhang: ?Wir suchen immer das Unbedingte und finden doch nur Dinge!?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.01.2009

Nicht recht erwärmen kann sich Roman Bucheli für Andreas Maiers Roman "Sanssouci". Er beschreibt das Werk als ein einziges Stimmengewirr, als einen Blick auf ein Menschengewimmel, das rund um den Potsdamer Schlosspark Sanssouci ein großes Durcheinander bildet. Das Ganze ist in seinen Augen bruchstückhaft und literarisch sehr spröde in Szene gesetzt. Er hat den Eindruck, der Autor liefere dem Leser lediglich Stichworte, die sich von selbst in seinem Kopf zu einem Roman zusammensetzten sollen. Doch zu Buchelis Bedauern funktioniert der Verzicht auf konventionelle literarische Mittel hier nicht. Deutlich wird für ihn lediglich, dass die meisten Figuren in eine Art Doppelleben verstrickt sind. Er nennt in diesem Zusammenhang Hinweise und Andeutungen auf ein unterirdisches Labyrinth unter dem Park, in dem sadomasochistische Sexspielchen stattfinden sollen. Besonders stört ihn der "Schwebezustand der Unentschiedenheit und Formlosigkeit", unter der die Geschichte und die erzählerische Gestaltung des Romans krankt. Sein Fazit: "literarisch unbefriedigend".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2009

Gustav Seibt hat der jüngste Roman von Andreas Maier nicht froh gemacht, aber er scheint ohnehin kein Fan seiner Bücher zu sein, denen er eine Verwandtschaft mit Thomas Bernhard nachsagt. Seinen Handlungsort verdankt "Sanssouci", darf man dem Rezensenten glauben, lediglich der Tatsache, dass Maier in Potsdam einige Zeit als Schreiber verbracht hat und sich dort nicht wohl gefühlt hat. Die Handlung rankt sich um einen mysteriös zu Tode gekommenen Filmregisseur, der durch seine die Potsdamer Gesellschaft aufs Korn nehmende Fernsehserie "Oststadt" bekannt war, erklärt Seibt. Maier nutze den Plot zur genüsslichen Karikierung der Potsdamer alternativen Szene, die er zudem mit einer russisch-orthodoxen und einer Sadomaso-Welt flankiert, so der Rezensent weiter. Am ehesten haben ihm noch Passagen um eine "alleinerziehende Bioladenmutter" gefallen, über die er sich zugegebenermaßen amüsiert hat. Insgesamt aber hätte die allenfalls skizzierte Handlung und die "ungeordneten" satirischen, kulturkritisch gefärbten Geschichtchen allenfalls minderes "Tatort"-Niveau, wie er ungnädig wissen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.01.2009

Der Autor hat einen mächtigen Bart. Seine Bücher mitnichten, das macht Christoph Schröder unmissverständlich klar. Denn aus dem Gerede, das Andreas Maier als Stoff verwendet, wie Schröder weiß, und aus dem er diesen in Potsdam spielenden Roman zaubert, wird Abgründiges. Große Fragen, den lieben Gott betreffend und das Unterhaltsrecht, wälzt der Autor hier. Und Schröder ist irritiert ob der Komplexivität der Motive und der Schärfe, die Maier gegen die gottesferne Gesellschaft in Anschlag bringt. Dabei muss sich der Rezensent das allermeiste davon selbst zusammenreimen. Schließlich zählen Unausgesprochenheit und Vagheit für ihn unbedingt zu den Stärken dieses Autors.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2009

Der Rezensent Ernst Osterkamp erkennt in diesem Roman von Andreas Maier Potsdam, die Stadt, in der das Buch spielt, wieder, und auch nicht. Was er definitiv wiedererkennt, ist der Autor Maier, der nun offenbar, so der Rezensent, ein gewisses "Repertoire" von Themen und Techniken entwickelt habe, eine "Routine" auch, nicht durchweg zum Schaden des Werks. Zum Beispiel den Auftakt - einer stirbt, mit Folgen - kenne man schon aus dem Erstling "Wäldchestag", es funktioniert aber auch hier. Der, der in "Sanssouci" stirbt, war berühmt und berüchtigt in Potsdam als Regisseur einer Fernsehserie über die Stadt. Einer satirischen Fernsehserie und als "Satire" müsse man auch Maiers Roman selbst begreifen. Als solche weiß Osterkamp sie offenkundig zu schätzen. Alt sei der Topos von der "Dämonie der Provinz". Wie aber Maier diese Dämonie hier von den Schrecken der "Trivialität" ununterscheidbar macht, das gibt dem ganzen, scheint's, einen überzeugenden Dreh.