Die rassistisch motivierten Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) mit vermutlich zehn Morden und mehreren Bombenanschlägen offenbaren eine neue Dimension rechtsextremer Gewalt. Doch dies ist kein Einzelfall. Seit 1949 haben Rechtsextremisten immer wieder Terrorgruppen gebildet, die nach ähnlichem Muster agierten: konspirative Kleinstzellen, Raubüberfälle zur Geld- und Waffenbeschaffung, Anschläge gegen Migranten, politische Gegner und gesellschaftliche Einrichtungen. Der Blick hinter die Kulissen offenbart, dass die Gewalttäter von gestern und heute keineswegs isoliert tätig sind und dass die von ihnen ausgehende Gefahr von den Behörden jahrzehntelang unterschätzt wurde.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.11.2013
Wohltuend nach all den oberflächlichen Publikationen zum Thema NSU erscheint Harald Bergsdorf dieser von den beiden Spezialisten für Rechtsextremismus Andrea Röpke und Andreas Speit herausgegebene Band, der versucht, aufgrund von gründlicher Recherche die Taten des NSU zu analysieren und historisch zu verorten. Die dabei entwickelten Thesen zur Vermeidbarkeit der NSU-Verbrechen findet Bergsdorf zwar nicht immer überzeugend genug belegt. Wichtig in seiner Informationsfülle findet er das Buch aber dennoch. Zumal die Autoren seiner Meinung nach viel Empathie mit den Opfern zeigen und mit ihrer wenngleich nicht sehr konkreten Forderung nach einer anderen Kultur der Auseinandersetzung mit dem Thema immerhin in die richtige Richtung weisen.
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