Andre Kubiczek

Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn

Roman
Cover: Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn
Piper Verlag, München 2012
ISBN 9783492052344
Gebunden, 612 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

"Ich weiß es noch genau. Es war an einem Freitag, als mein Bruder starb, und ich kann mich nur deshalb so gut erinnern, weil immer freitags der große Wochenputz stattfand." 1987, die letzten Monate der DDR brechen an, und die Rekruten nehmen ihren Dienst mit Galgenhumor. Der tragische und auf seltsame Weise auch erlösende Tod seines Bruders ist für den jungen Ich-Erzähler der Moment, sich an seine exotische Familie zu erinnern. Und ihr Leben in einem Land, das alles andere als exotisch sein wollte. Denn sein Vater aus der ostdeutschen Provinz hatte in Moskau eine laotische Prinzessin kennengelernt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.05.2012

André Kubiczeks Familiengeschichte "Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn" scheint Katrin Bettina Müller etwas zwiespältig. Da bietet das Buch in ihren Augen ungemein plastische und lebendige Figuren wie zum Beispiel Kupfer, einen Kumpel des Erzählers, sowie intensive und sinnliche Passagen, etwa wenn die Küche und Gerichte der Großmutter geschildert werden. Wenn es aber um die Geschichte der Eltern geht - die Mutter eine Prinzessin aus Laos, die den Vater als Student in Moskau kennenlernt -, eigentlich eine höchst spannende Liebesgeschichte mit Risiko, Agenten, Verwandten und Bürokratien, die dagegen sind, dann bleibt der Ton zu Müllers Bedauern "seltsam sachlich". Als Leserin fühlt sie sich hier "irgendwie auch enttäuscht". Andererseits kann sie es auch verstehen, dass der Autor zögerlich ist, wenn es darum geht, seine Eltern als Romanfiguren darzustellen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.05.2012

Christoph Schröder hebt zum begeisterten Loblied an: André Kubiczek finde in diesem "wunderbaren, komischen, ernsthaften" Roman zu einem "nichtpropagandistischen Sprechen" über die DDR und zu einem in der deutschen Literatur bislang so nicht gekannten Modus der Beschreibung des Lebens in dem untergegangenen Staat abseits von nostalgischer verbrämter Rückschau auf die eigene Jugend. Dass er dabei zugleich noch Handlungsbögen ins ferne Laos und nach Paris schlägt, bemerkt Schröder ebenfalls sehr zufrieden, wie er auch zahlreiche weitere Vorzüge des Buchs auflistet: "Opulent, aber nicht zu dick", hervorragend formuliert, ohne zu schwätzen, ein Roman, der den sich dabei gerne an die Hand nehmen lassenden Rezensent in einem langen Weg zu jenem Punkt führt, an dem die DDR in einem Gipfelpunkt "zwischen Krise und Neubeginn" aus dem Weltlauf verschwindet. Und nicht zuletzt sei dieses Buch, freut sich Schröder für den Autor, auch der endlich gefundene Weg aus einer künstlerischen Sackgasse.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.04.2012

Rezensent Walter Hinck hat André Kubiczeks neuen Roman recht positiv aufgenommen. Er attestiert dem Autor eine Menge Schwung, Phantasie und erzählerische Saltos - passend zur verwickelten Lebensgeschichte um den Sohn eines DDR-Diplomaten und einer laotische Prinzessin. Dass der Erzähler in der Zeit wild vor- und zurückspringt, ist für Hinck nicht weiter irritierend. Allerdings stört ihn, dass der Autor gelegentlich mit Ereignisketten aufwartet, die für ihn nicht wirklich in den Gesamtzusammenhang des Romans passen. Aber sei's drum. Die Verve, mit dem Kubiczek erzählt, die zahlreichen satirischen und mitunter reißerischen Szenen und das "komödienhafte Ende" des Romans haben ihn dafür entschädigt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.03.2012

Für Rezensent Thomas E. Schmidt gibt es zahlreiche Gründe, Andre Kubiczeks neuen Roman "Der Genosse, die Prinzessin und ihr lieber Herr Sohn" zu lesen. Nicht nur, weil ihm dieser Roman als Befreiungsschlag des zuletzt thematisch etwas festgefahrenen Autors erscheint, sondern vor allem, weil Kubiczek im Gegensatz zu vielen anderen Autoren nicht erzählen wolle, wie die DDR "wirklich" war. Vielmehr lasse er die DDR in seinem "opulenten" Werk zur Kunst werden. Und so begleitet der Kritiker hier Kubiczeks Helden, den Sohn eines systemtreuen Wissenschaftlers und einer Laotin, zunächst durch seine unglücklichen Erinnerungen an die Jugend in der DDR, die geprägt ist durch den Tod der Mutter und des Bruders, eine leidvolle Zeit in der Armee und mangelnde Integration, die sich auch im Ostberlin der Nachwendezeit nicht überwinden lässt. Der Kritiker lobt neben der kühlen, nie moralisierenden und zugleich versöhnlichen Distanz, mit der der Autor auf die DDR als "Verfallslandschaft" zurückblicke, vor allem Kubiczeks Talent die vielfältigen Eindrücke in verschiedenen Perspektiven und Erzählgenres zu vermitteln.