Amartya Sen

Zuhause in der Welt

Erinnerungen
Cover: Zuhause in der Welt
C.H. Beck Verlag, München 2022
ISBN 9783406790898
Gebunden, 479 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Indien in den dreißiger und vierziger Jahren: Ein ziemlich intelligenter Junge beobachtet hellwach alles, was um ihn herum geschieht: die Tiere im Dschungel ebenso wie die bedrohlichen Spannungen zwischen Hindus und Muslimen, die nichts Gutes für die Zukunft verheißen. Amartya Sen schilder seine Kindheit und Jugend im heutigen Bangladesch und nimmt uns mit in die Abenddämmerung der britischen Kolonialherrschaft. Von dort führt der Bogen dieser Erinnerungen nach Cambridge und hinaus in die Welt, zu Menschen und Orten, die Sen inspiriert haben. Ein Weltbürger und Humanist par excellence erzählt sein Leben und zeigt, warum "Zuhause" weit mehr sein kann als nur der Ort, an dem wir geboren wurden. Amartya Sen wäre nicht Amartya Sen, wenn er nicht auch in seinen Memoiren eine Botschaft bereithielte: Es gibt nicht nur die eine Identität, und es gibt nicht nur ein Zuhause. Wir sind aus vielen Erfahrungen und Eigenschaften zusammengesetzt, und dieser Reichtum ist ein Schatz, den wir mit anderen teilen können. Ob Sen mit John Maynard Keynes diskutiert oder mit einer Zufallsbekanntschaft auf einer Rheinfahrt, überall sieht er, was er noch lernen kann, würdigt Argumente oder resümiert mit Meisterhand die kompliziertesten philosophischen Fragen so, dass auch ein Laie sie versteht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 08.11.2022

Rezensent Rudolf Walther liest die Erinnerungen des Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlers Amartya Sen als intellektuelles Panorama Englands im 20. Jahrhundert. Wie Sen in Ostbengalen aufwuchs, wie der Einfluss Rabindranath Tagores ihn prägte und die Leidenschaft für Mathematik und Sanskrit ihn packte, schildert der Autor laut Walther eindringlich. Die tiefe Abneigung des Autors gegen die Reduktion des Menschen auf Identitäten wird für den Rezensenten verständlich. Eine weniger erschöpfende Darstellung der weit verzweigten Verwandtschaft des Autors hätte dem Buch nicht geschadet, findet der Rezensent.