Sudhir Kakar

Die Seele der Anderen

Mein Leben zwischen Indien und dem Westen
Cover: Die Seele der Anderen
C. H. Beck Verlag, München 2012
ISBN 9783406641251
Gebunden, 313 Seiten, 26,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Klaus Modick. Mit 32 Abbildungen. Der Psychoanalytiker Sudhir Kakar legt in diesem Band sein eigenes Leben "auf die Couch". Die tiefen und bleibenden Eindrücke, die das Leben in eine andere Bahn bringen, die Konflikte in der Familie, das Verblassen mancher Gefühle und die ständige Suche nach einem Ausgleich zwischen inneren Gewissheiten und äußeren Notwendigkeiten verwebt er zu einem beeindruckenden Selbstporträt.
Wir verfolgen den Weg aus der Geborgenheit einer indischen Mittelschichtsfamilie im Punjab, damals noch Teil des britischen Kolonialreichs, sehen die seelischen Verwerfungen, die die gewaltsame Ablösung Pakistans hinterließ, erreichen das Deutschland der 1960er Jahre in Hamburg, Mainz und Mannheim und verfolgen schließlich die Karriere, die sich anbahnt, als Sudhir Kakar auf Erik Erikson trifft und sich unter seiner Ägide zu einem der großen Kulturvermittler zwischen Indien und dem Westen entwickelt. Sudhir Kakars Erinnerungen und Reflexionen erhellen nicht nur die Entfaltung der inneren Welt eines indischen Psychoanalytikers, sondern gewähren uns auch Einsichten in die tieferen Schichten der Auseinandersetzung zwischen den Kulturen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.02.2013

Sichtlich beeindruckt ist Katharina Granzin vom wechselhaften Leben des indischen Psychoanalytikers Sudhir Kakar, der an vielen internationalen Orten Station gemacht und immer wieder neue biografische Abzweigungen genommen hat. Umso bedauerlicher findet sie es, dass der Autor es mit dem Handwerk des Psychoanalytikers, ein Leben von außen zu betrachten, bei seiner Autobiografie etwas zu gut gemeint hat: Mit zwar einiger Eleganz gelingt es ihm, sich in der Rückschau durch sein Leben zu manövrieren, ohne allzu viel preiszugeben. Dies gilt zwar weniger für seine Kindheit, an die sich Kakar so gut es geht erinnert, umso mehr aber für die Schilderungen seines Erwachsenendaseins, bei denen Kakar die zuvor gesuchte Verbindung von persönlicher Erinnerung mit analytischer Herangehensweise sehr zum Bedauern Granzins fallen lässt. Auch vermisst sie eine Schilderung des fachlichen Werdegangs, was ihr das Buch seltsam defizitär vorkommen lässt, während man darin - wie sie mit galliger Lakonie schließt - durchaus erfährt, welche Berühmtheiten Kakar kennengelernt und mit wievielen tollen Frauen er Umgang  hatte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.01.2013

Eigentlich hatte Detlev Claussen die Autobiografie des Psychoanalytikers und Gurus Sudhir Kakar gespannt erwartet. Ob "Die Seele der Anderen" seine Erwartungen erfüllt hat oder nicht, bleibt unklar, übertroffen hat sie sie jedenfalls nicht. Statt eines Autors, der dank seiner Profession stark auf die "Vertracktheit der biografischen Wahrheit" reflektiert, stößt Claussen darin hauptsächlich auf eine gehörige Portion Narzissmus und eine problematische psychoanalytische Haltung. Der Rezensent meint, Kakar liebe es, die Erwartungen anderer zu erfüllen, und entwerfe die eigene Identität entlang klischeebehafteter Rollen: die "des Inders, des Intellektuellen, des Wissenschaftlers, des fiktionalen Schriftstellers, des Psychoanalytikers und, last but not least, die des Gurus". Zwischendurch stilisiere er sich auch noch als "Indian Lover", fügt der Rezensent etwas hämisch hinzu. Wann immer möglich, verweist Kakar außerdem auf seine anderen Bücher und lagert Fragen aus, die es eigentlich etwas zu klären gelte. So entsteht ein sich vielfach überlagerndes Bild, das "westlichen Rationalismus mit indischem Spiritualismus" nur scheinbar verbinden kann, findet der Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.12.2012

Fasziniert liest Rezensent Ulrich Schnabel diese Erinnerungen des indischen Psychoanalytikers Sudhir Kakar, den Schnabel schon deshalb schätzt, weil er so leichtfüßig schafft, was hierzulande unmöglich erscheint: die Grenzen der eigenen Disziplin zu überschreiten. Kakar ist Universalgelehrter, stellt der Rezensent fest, er schreibt genauso klug über mystische Erfahrung wie über die Liebeskunst. Wichtig erscheint Schnabel auch, dass Kakar dem westlichen Individualismus  mit derselben Distanz begegnet wie dem indischen Kultur, deren Fixierung auf die Verwandtschaft zu Konformismus führe. Geschichte, Psychologie, kluge Selbstreflexion - in diesem Buch ist also alles drin, was sich der Rezensent von einer Autobiografie nur erhoffen kann, so dass er schließlich nur eine etwas nachlässige Edition bemängelt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.11.2012

Die offenkundigen Schlampereien im Lektorat können dem Buch doch nichts anhaben, meint Martin Kämpchen. Die Stimme des Autors, als des ersten Psychoanalytikers Indiens und Deutsch sprechenden indischen Intellektuellen von Weltgeltung, wie Kämpchen erklärt, möchte der Rezensent ernst nehmen. Oder besser, was diese Stimme in dieser indisch-westlichen Autobiografie zu sagen hat. Das nämlich ergibt für Kämpchen nicht weniger als eine Selbstanalyse, die sich zur interkulturellen Morphologie weitet. Nicht nur die prinzipiell offene indische Identität bringt der Autor dem Rezensenten in schöner Symbiose aus Wissenschaftssprache und Erzählkunst näher, auch die westliche Arroganz sowie die Reibungsflächen und Verbindungen zwischen der indischen und den westlich orientierten Gesellschaften.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.10.2012

Trotz einiger etwas eitler Passagen und einem Hang zu Namedropping findet Renée Zucker die Autobiografie des indischen Schriftstellers und Psychoanalytikers Sudhir Kakar sehr faszinierend. Dies vor allem auch, da der Autor nicht nur Zeitzeuge entscheidender Phasen der "sehr gewalttätigen Geschichte" Indiens ist, sondern diese oft auch aus unmittelbarer Nähe verfolgen konnte: Die weitläufige, vom Rezensenten bestaunte Lebensgeschichte spiegelt damit auch ein Gutteil indischer Geschichte in sich und reflektiert überdies, wie Zucker schon eingangs ausführlich bemerkt, etwa beim Übertrag der stark mitteleuropäisch geprägten Psychoanalyse in die von enormen Unterschieden geprägte indische Kultur auch zentrale Unterschiede zwischen den Mentalitäten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.10.2012

Angetan zeigt sich Rezensentin Claudia Wenner von Sudhir Kakars Autobiografie "Die Seele der Anderen". Der indische Psychoanalytiker und Schriftsteller schildert sein Leben in ihren Augen offen, selbstkritisch und uneitel und spart auch unangenehme Erinnerungen nicht aus. Wie unbeirrt Kakar seiner inneren Stimme folgt, wie er nach einem ungeliebten Ingenieurstudium den Psychoanalytiker Erik Erikson in Indien trifft, wie er in Frankfurt eine Lehranalyse absolviert, hat Wenner sichtlich beeindruckend. Sie findet in dem schön bebilderten Werk nicht nur einen tiefen Einblick in die Identitätsfindung des Autors, sondern auch interessante zeitgeschichtliche Ansichten etwa des 1975 von Indira Gandhi verhängten Ausnahmezustands in Indien oder der sechziger und siebziger Jahre der Bundesrepublik Deutschland. Bedauerlich scheinen der Rezensentin allerdings die Nachlässigkeit, mit der das Buch ediert wurde, sowie eine Reihe von Fehlern in der Übersetzung.
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