Alter Kacyzne

Poyln

Eine untergegangene jüdische Welt
Cover: Poyln
Aufbau Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783351024970
Gebunden, 163 Seiten, 39,88 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Marek Web. Aus dem Englischen von Chris Hirte und Gunnar Cynybulk. Der Fotograf Alter Kacyzne wurde 1921 von der jiddischen, in New York ansässigen Tageszeitung "Forverts" beauftragt, das jüdische Alltagsleben im "alten Land" zu dokumentieren. Seine Fotografien sollten für die nach Amerika emigrierten Juden eine Erinnerung an das sein, was sie in der Alten Welt zurückgelassen hatten. Was zunächst wie ein einfacher Auftrag aussah, wurde zu einer zehnjährigen Reise durch das jüdische Polen, durch "Poyln", das in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts die Heimat von mehr als 3 Millionen Juden war. Zu Poyln gehörten die überfüllten jüdischen Viertel von Städten wie Warschau oder Lublin, aber auch entlegene Ortschaften wie Kolomey oder Brezin. Wo immer er war, richtete Kacyzne seine Kamera auf das tägliche Leben auf den Märkten und Plätzen, in den Werkstätten, Nähstuben, Schulen und Synagogen. Mehr als sechzig Jahre lang blieben Alter Kacyznes Fotografien für den "Forverts" unentdeckt. Erstmals werden diese einzigartigen Zeugnisse jetzt mit der vorliegenden Publikation für die Öffentlichkeit zugänglich. Das Buch ist ein Vermächtnis von großer poetischer Kraft und gewährt uns einen Einblick in eine Welt, die für immer verloren ist.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.04.2001

Christiane Zintzen informiert den Leser in ihrer Rezension darüber, dass zahlreiche Fotografien, die Kacyzne in den zwanziger Jahren in Warschau gemacht hat, auch deswegen erhalten sind, weil er sie nach New York geschickt hat, wo sie im "Forverts", einem Blatt für Emigranten, als Dokumente aus der polnischen Heimat abgedruckt wurden. Am vorliegenden Band lobt sie nicht nur die "noble Geschmackssicherheit", mit der das erhaltene Material zusammengestellt worden sei, sondern auch den "hohen ästhetischen Reiz" der Bilder selbst. Nichts wird ihrer Ansicht nach hier nachträglich verklärt oder beschönigt. Im Vordergrund stehen für die Rezensentin Bilder, die den harten Alltag zeigen, die Armut, den Kampf ums Überleben. Dabei bescheinigt Zintzen diesen Bildern eine "nachgerade physische Präsenz", die zahlreiche "Geruchs-, Geschmacks- und Körperassoziationen" auslöse.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.11.2000

Eigentlich wollte Alter Kaczyne schreibender Korrespondent des New Yorker "Forverts" werden, erhielt aber nur die Stelle des Bildreporters. Diesem Umstand verdanken wir, berichtet "E.B.", die vielen Bilder aus der engen Schtetlwelt Polens, jiddisch: Poyln, die Kaczyne für die polnischen Emigranten in Amerika gemacht hat. Um ihre alte Heimat festzuhalten, die Welt der Frömmigkeit, aber auch um die materielle und geistige Rückständigkeit des Schtetl zu dokumentieren: nach "E.B." ein Motiv der Sehnsucht und Distanzierung zugleich. Kaczyne "wollte mehr, und er konnte mehr, zeigte mehr", schreibt "E.B.", denn er richtete sein Blick nicht nur auf das Ghettoleben mit seinen Bet- und Nähstuben, sondern beobachtete den Alltag, vor allem den Alltag der Frauen, die in ihrem provinziellen Dasein verkümmerten, nach "E.B." manchmal aber auch als Hoffnungsträger eines Aufbruchs aus der jiddischen Provinz erschienen. Die Bilder des Buches sind im übrigen, wie man aus der Bildunterschrift erfährt, zur Zeit als Ausstellung durch deutsche Städte unterwegs.
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