Chava Rosenfarbs Werk befasst sich auf beeindruckend allumfassende Weise mit den Lebensrealitäten der Jüdinnen und Juden durch das gesamte 20. Jahrhundert hindurch. Ihr Roman Bociany spielt in einem ostjüdisch-polnischen Shtetl, sie selbst ist im polnischen Łódź geboren und aufgewachsen. Die Roman-Trilogie Der Baum des Lebens beschreibt u.a. ausführlich das Ghetto-Leben unter der Nazi-Herrschaft, sie selbst lebte mehrere Jahre im Łódźer Ghetto. Ihre Gedichte zeugen von den unsagbaren Schrecken der Shoah, die sie überlebte. Das beklemmend-poetische Tagebuch aus Bergen-Belsen beschreibt die Zeit der Befreiung der Konzentrationslager, die Autorin erlebte diese Zeit schwer an Typhus erkrankt. Und in vielen Essays und Erzählungen behandelt sie das Danach. Das Überleben der Shoah, das Trauma, das Leben nach dem Krieg - weit weg von Europa. Sie selbst wanderte 1950 nach Kanada aus. Dieser Band vereint zwölf dieser Werke vollständig oder in Auszügen und zeigt somit die volle Bandbreite dieser maßgeblichen Autorin der jiddischsprachigen Literatur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2023
Rezensentin Marta Kijowska freut sich über das Lesebuch, der einen ersten Einblick in deutscher Sprache in das auf Jiddisch verfasste Werk der Shoah-Überlebenden Chava Rosenfarb ermöglicht. Die Rezensentin skizziert die Lebensgeschichte der Schriftstellerin, die im Lodzer Ghetto während der Nazizeit die Literatur für sich entdeckte und später von den Briten aus Bergen-Belsen befreit wurde. Jüdisches Leben im Lodzer Ghetto der Jahre 1939 bis 1944 ist das Thema ihres bekanntesten Romans "Der Baum des Lebens", erfahren wir, ein weiterer Roman ist historisch früher und in einer fiktiven Kleinstadt angesiedelt, in der Juden und Christen nebeneinander wohnen. Schade, so Kijowska, dass ein weiterer Roman, der sich direkt mit den Erfahrungen in den Vernichtungslagern beschäftigt, nur wenig in dem Lesebuch zitiert wird. Insgesamt jedoch ermöglicht es die Veröffentlichung laut Rezensentin, die Bandbreite des oft stimmungsvollen und vielseitigen, um eine Beschreibung jüdischer Erfahrung in all ihren Facetten bemühten literarischen Werks Rosenfarbs kennen zu lernen.
Rezensentin Katharina Granzin erkundet mit dieser Anthologie das weite Spektrum des Werks der jüdisch-polnischen Schriftstellerin Chava Rosenfarb, die Zeit ihres Lebens auf Jiddisch schrieb. Rosenfarb wurde 1923 im polnischen Lódź geboren, erlitt das jüdische Ghetto dort und überlebte mehrere Konzentrationslager. Die furchtbaren Traumata werden in ihren Texten "zu künstlerisch durchwirktem Leben" umgewandelt, so Granzin, sind aber auch wichtige Zeit-Zeugnisse: der früheste Prosatext des Bandes stammt aus der Zeit kurz nach ihrer Befreiung aus dem KZ Bergen-Belsen. Die Rezensentin lobt die Übersetzung von Sandra Israel-Niang und hofft, dass es bald auch einen vollständigen Roman der Autorin auf Deutsch gibt.
Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…