Hanna Krall

Eine ausnehmend lange Linie

Cover: Eine ausnehmend lange Linie
Neue Kritik Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783801503772
Gebunden, 134 Seiten, 17,00 EUR

Klappentext

Aus dem Polnischen von Roswitha Matwin-Buschmann. Im Zentrum des neuen Werkes von Hanna Krall steht ein Mietshaus in der Altstadt von Lublin. Um das Schicksal seiner wechselnden Bewohner lässt die Autorin ein Kaleidoskop aus Ereignissen und Begegnungen entstehen, die sich zu einem Panorama der polnisch-jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts fügen. Zu Beginn des Jahrhunderts wird das Haus von dem jüdischen Ehepaar Arnsztajn erworben. Er ist angesehener Arzt, sie Verfasserin von Versen und dem Dichter Josef Czechowicz in inniger Freundschaft verbunden. Das Haus bleibt jedoch kein Ort assimilierter jüdischer Existenz. Im ersten Kriegsjahr wird es zum Quartier für zahlreiche Familien, die im Westen vor den Deutschen und im Osten vor den Russen geflüchtet sind. Im zweiten Kriegsjahr werden diese nach Sobibor und Belzec deportiert, wie alle Juden aus dem Lubliner Ghetto. Nun ziehen "polnische" Familien in das Haus ein und von den ehemaligen Bewohnern ist keine Rede mehr. Nach dem Krieg tauchen vereinzelt jüdische Überlebende auf.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.01.2006

Mit diesem Band liefert die polnische Autorin Hanna Krall ein weiteres Fragment für ihr großes Panorama des vergessenen und verdrängten jüdischen Lebens in Polen, und auch dieser Band hat Rezensentin Nicole Henneberg sehr berührt. Hanna Krall erzählt darin die Geschichte eines Miethaus und seiner wechselnden verschiedenen Bewohner, womit sie wie durch ein Brennglas die Geschichte des 20. Jahrhunderts spiegelt. Zuerst bewohnten vor allem assimilierte Juden aus der gehobenen Mittelschicht das Haus, es kamen Menschen hinzu, die vor den Deutschen im Westen und den Russen im Osten Zuflucht suchten, doch werden sie im Verlauf der Nazi-Herrschaft in die Vernichtungslager deportiert. Hanna Krall hat in der ihr eigenen Montagetechnik all die Namen festgehalten, die Leben und ihre Geschichten. Ihren kargen Stil erklärt sie, wie Henneberg zitiert so: "Je größer die Verzweiflung, desto weniger Sätze braucht es."
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