Pulp Master, Berlin 2026
ISBN
9783927734982 Kartoniert, 288 Seiten, 16,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Michael Grimm und Angelika Müller. Dan Selby und seine Frau Rachel müssen hilflos mitansehen wie sich ihre finanzielle Situation weiter zuspitzt. Sie haben ihre gutbezahlten Jobs aufgeben und ihre gesamten Ersparnisse in ein kleines vielversprechendes Software-Start-up investiert, das Dan mit seinem Freund Warren Costas gegründet hatte. Doch Costas ist nach Meinungsverschiedenheiten inzwischen auf einem anderen Trip und will die gemeinsame Firma zerstören. Als einer von Dans Freunden betrunken einen Russen erwähnt, der weiß, wie man Probleme wie Warren löst, öffnet Dan eine Tür, die man besser nicht öffnen sollte ….
Rasant und rabenschwarz ist dieser Thriller von Dave Zeltserman, gibt Kritikerin Katharina Granzin gleich zu verstehen, wir erfahren aus der Ich-Perspektive des Protagonisten Dan, wie er zum Mehrfachmörder geworden ist. Dan hat zusammen mit Warren eine Firma gegründet, auch seine Frau Rachel arbeitete dort mit, lesen wir, aber plötzlich hat Warren der Website den Stecker gezogen und ihnen damit die Lebensgrundlage geraubt. Kurzerhand gibt Dan seine Ermordung in Auftrag, aber damit gehen die Probleme erst richtig los: Dan wird damit zum "Teil eines Mördersklavennetzwerks", denn für jeden Mordauftrag muss man selbst einen ebensolchen erfüllen, schildert Granzin. Ihr gefällt, wie Zeltserman die Spannung aufrecht erhält und ein leichtes Gefühl der Irritation einflicht, was die Haltung seines Ich-Erzählers zu den Morden betrifft. Seine Kaltblütigkeit, gepaart mit "großer Geistesgegenwart" macht das Buch zwar nicht unbedingt zur Gutenachtgeschichte, aber zur spannenden Lektüre.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper kennt zwei Lesarten von Dave Zeltsermans Krimi. Die Geschichte eines auf die schiefe Bahn geratenden Software-Entwicklers lässt sich zugleich als in Gewalt schwelgender mit allerhand Klischees beladener klassischer Noir und als Darstellung eines Selbsterkenntnisprozesses lesen, meint Wüllenkemper. Hinter dem finsteren Crime-Thriller mit rasanter Handlung, groben Typisierungen und Eskalationsspirale steckt die Darstellung eines auf Wüllenkemper beklemmend wirkenden Männerschicksals, ein verletzlicher Held als Opfer der materialistischen Leistungsgesellschaft. Für Wüllenkemper ist diese Doppelbödigkeit der Geschichte reizvoll und auch überzeugend umgesetzt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2026
Gerne folgt Rezensent Hannes Hintermeier dem hierzulande noch unbekannten, amerikanischen Krimi-Autor in die Abgründe dieses Romans. Dabei beginnt er zunächst noch im wohlsituierten Bürgertum: Der Protagonist Dan Selby gründet zusammen mit seiner Frau Rachel und seinem Freund Warren eine IT-Firma, die anfangs gut läuft, erzählt uns der Kritiker. Als dann jedoch mehrere Sabotageversuche auf Warren zurückgeführt werden und die Firma unterzugehen droht, ist Dan außer sich vor Wut und trifft die folgenschwere Entscheidung, die Dienste eines Auftragsmörders in Anspruch zu nehmen. Aus einem Normalo wird so ein "Bewohner der Schattenwelt", erzählt der Kritiker, denn der Killer verlangt von Dan nach getanem Job nicht nur Geld, sondern einen neuen Mord. Der Kritiker sieht in dieser Handlungsentwicklung die Dekonstruktion einer scheinbar gesicherten, bürgerlichen Existenz und eine Kritik an den Selbstverwirklichungsversprechen des amerikanischen Traums. Worin sich dieser von herkömmlichen Krimis unterscheide, sei der durchweg analytische Schreibstil, der jeden Schritt des Protagonisten präzise einfange. Weitaus mehr als "Dutzendware", freut sich Hintermeier.
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