Oktober 1989, ein Dorf in Brandenburg. Eine Frau wird in einer Kleingartenanlage getötet, der Mörder kann entkommen. In den nächsten Monaten bringt er vier weitere Frauen und ein Baby um. Angst und Verdächtigungen erschüttern die Dorfgemeinschaft, während fünfzig Kilometer weiter östlich die Mauer fällt. Die Polizei ist überfordert, dezimiert durch Abwanderung nach Westen und aufgeflogene Stasimitarbeiter. Die Sensationspresse scheint im wiedervereinten Deutschland ausloten zu wollen, wie weit man mit dem Leben von Menschen gehen kann, bevor die Berichterstattung selbst zum Verbrechen wird.Im Dorf leben auch die beiden Freundinnen Hedi und Gabi. Während Hedis Verlobter sie zu Hause isoliert, nimmt Gabi die Sache selbst in die Hand: Sie bewirbt sich als Reporterin bei der Bild-Zeitung und erhält so Einblick in die Ermittlungen …
Ein bisschen echter Rest-Grusel ist bei Rezensentin Katharina Granzin schon noch da angesichts des "Rosa Riesen", eines zwischen 1989 und 1991 im Berliner Umland tätigen Serienmörders, über den die 1987 geborene Sophie Sumburane schon gelassen recherchieren und fiktionalisierend schreiben kann - was trotzdem sehr gelungen ist, meint Granzin. In einer Mischung aus True Crime und Fiktion rollt Sumbrane den Fall literarisch auf, aus der Perspektive zweier junger Frauen, die aus dem Dorf stammen, wo der erste Mord stattfindet und sich fortan auf je eigene Weise davon emanzipieren lernen. Eindrücklich findet die Kritikerin, wie die Autorin dabei die grundlegende Ost-West-Spannung erfahrbar werden lässt - so muss sich die junge Ossi-Volontärin Gabi in der Boulevardblatt-Redaktion etwa vehement gegen die männlichen Wessi-Kollegen durchsetzen, bis auch die an einen Serienmörder glauben. Aber auch die Passagen aus der Perspektive des Täters findet Granzin "erstaunlich überzeugend". Eine erzählerisch gut umgesetzte und spannende Lektüre, die die Kritikerin den "Atem anhalten" lässt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 20.03.2026
"Keine besonderen Auffälligkeiten" ist nicht nur ein Kriminalroman über die Opfer des letzten Serienmörders der DDR, erklärt Rezensentin Sylvia Staude, sondern auch eine Erzählung über das Ende des zweiten deutschen Staates, über die gesellschaftliche Folgen seines Zusammenbruchs in der brandenburgischen Provinz, über polizeiliches Versagen und über die misogynen Strukturen im Osten wie im Westen - Strukturen, so Staude, in denen so oft den Frauen die Verantwortung gegeben wird für die Gewalt, die sie erfahren. Indem Sumburane in ihrem Roman nicht den Täter ins Zentrum stellt, sondern sich stattdessen in jene Frauen hineinversetzt, die zu Opfern wurden oder hätten werden können, setzt sie diesen Strukturen etwas entgegen, lesen wir. Den Inhalt und das literarische Verfahren dieses Romans fasst Staude in ihrer Rezension zusammen. Einer direkten Wertung enthält sich die Rezensentin jedoch. Nur so viel erfahren wir: Dass Sumburane ihre Figuren stets ambivalent und lebensnah zeichnet, sie sprechen lässt genau wie die Menschen in der Region eben sprechen. Abgesehen davon mag wohl auch die Tatsache als Beleg der Anerkennung gelten, dass Staude ihre Rezension mit einem Zitat beendet.
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