Gary Victor

Erschütterungen

Kriminalroman
Cover: Erschütterungen
Litradukt Literatureditionen, Trier 2026
ISBN 9783940435538
Kartoniert, 94 Seiten, 13,00 EUR

Klappentext

Aus dem haitianischen Kreolisch von Peter Trier. Inspektor Azémar ist entschlossener denn je, die Täter in einem Mordfall zu fassen, denn das Opfer ist die Tochter seiner Freundin. Alles deutet auf ein satanistisches Ritual hin, dem noch mehrere weitere junge Menschen zum Opfer gefallen sind. Der Inspektor begibt sich auf eine atemlose Jagd durch ein Land voller Korruption und Gewalt und wird dabei selbst zum Gejagten, denn er hat sich unter Gangster und Politikern genug Feinde gemacht. Aber wie er selbst sagt: Wer schon mit einem Fuß im Sarg steht, fürchtet den Tod nicht mehr …

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.05.2026

Drastisch und bestürzend findet Rezensentin Sylvia Staude Gary Victors ursprünglich auf Kreolisch verfassten sechsten Azemar-Krimi. Es geht um die Vergewaltigung und den Ritualmord an Teenagern, lesen wir. Der Handlungsort Port-au-Prince sorgt für allerhand Müll und brutale Action, für deren Beschreibung der Autor laut Staude kein Blatt vor den Mund nimmt. Problematisch findet Staude das hier vermittelte Frauenbild und auch der um sich schießende und schnapssaufende Kommissar ähnelt mehr einer "Actionfigur aus Plastik". Comicartig rasant und wütend ist das Buch laut Staude, und in dieser Wut ist es zwar nicht unbedingt ein gelungener Roman, es "teilt aber dennoch eine Wahrheit mit", räumt sie ein. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.04.2026

"Brachiale Literatur über brachiale Verhältnisse" - so lautet Thomas Wörtches Resümee zu Gary Victors neuem Romans aus der Krimireihe um den haitianischen Inspektor Dieuswalwe Azémar - der letzte Polizist Haitis, der sich der Korruption verweigert. Von seinen fünf Vorgängern unterscheidet sich "Erschütterungen" deutlich: Wesentlich kürzer, direkter und brutaler kommt dieser Roman daher, lesen wir, vom schwarzen, ja oft makabren Humor, den man aus Victors Krimis kennt, ist in diesem neuen Roman nichts mehr übrig. Auch nichts von aller Subtilität und Hoffnung. Diese sowohl ästhetische als auch inhaltliche Zuspitzung zeugt von der Verzweiflung, aus der dieser Text geboren ist, die Verzweiflung an den realen, katastrophalen Verhältnissen in der Heimat des Autors, so Wörtche. Diesen Bruch markiert auch Victors Wechsel ins Kreolische als Erzählsprache, erklärt der Rezensent, und erkennt zugleich einen feinen Ausdruck von Hoffnung darin. Denn gerade die Besinnung auf die kreolischen kulturellen Wurzeln ist es, aus der ganz am Ende ein Funken Hoffnung entstehen kann, so der beeindruckte Rezensent.

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