Alexander Betts, Paul Collier

Gestrandet

Warum unsere Flüchtlingspolitik allen schadet - und was jetzt zu tun ist
Cover: Gestrandet
Siedler Verlag, München 2017
ISBN 9783827500908
Gebunden, 336 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Norbert Juraschitz. Mehr als 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Doch die Instrumente und Institutionen, mit denen wir auf diese humanitäre Herausforderung reagieren, sind hoffnungslos veraltet und haben für Millionen Flüchtlinge fatale Folgen.
Statt wahllos Menschen ins Land zu lassen oder sie jahrzehntelang in Lagern oder Unterkünften zu verwahren, brauchen wir einen anderen Umgang mit Flüchtlingen. Wir müssen sie in die Lage versetzen, rasch wieder für sich selbst zu sorgen - und möglichst schnell in ihre Heimat zurückzukehren. Paul Collier und Alexander Betts ziehen in ihrem Buch eine Bilanz der aktuellen Flüchtlingspolitik und zeigen, wie neue Regeln und Institutionen aussehen können, die ethische, humanitäre und ökonomische Überlegungen vereinen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.07.2017

Eher referierend, aber in der Tendenz positiv bespricht Wolfgang Taus diesen Aufruf zu einer neuen Flüchtlingspolitik. Demnach kommt es vor allem darauf an, den Flüchtlingen "sichere Zufluchtsorte" in der Nähe der Krisenherde zu schaffen, um das wohlhabende Europa vor der "neuen Völkerwanderung", von der im Titel von Taus' Artikel die Rede ist, zu schützen. Auch Wirtschaftshilfe, ja Investitionen gehören zu dem von den Autoren vorgeschlagenen Modell, so der Rezensent. Es komme darauf an, "den Wandel anzunehmen und möglichst zu kanalisieren". An Europa vorbei, versteht sich.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.05.2017

Rezensentin Barbara Dribbusch entdeckt in Alexander Betts und Paul Colliers Buch "Gestrandet" einen durchaus lesenswerten Beitrag zur Flüchtlingsfrage. Die Autoren unterscheiden zunächst zwischen Migranten und physisch bedrohten Flüchtlingen, informiert die Kritikerin, dabei müsse statt einer Verbesserung des Lebensstandards die Herstellung einer "möglichst ähnlichen Normalität" wie vor der Flucht im Vordergrund stehen. Der Vorschlag der Autoren, Sonderwirtschaftszonen für Flüchtlinge einzurichten und die damit verknüpfte Forderung, dass reiche Länder die Nachbarstaaten der Krisenländer politisch und wirtschaftlich unterstützen müssten, scheint Dribbusch mit Blick auf die klug gewählten Beispiele, etwa das Jordanien-Abkommen von 2016, zu überzeugen. Ethische Fragen, etwa zum Umgang mit geduldeten Flüchtlingen oder zur Bezahlung "fragiler" Herkunftsstaaten für das Zurückschicken von Flüchtlingen, können ihr Betts und Collier allerdings nicht beantworten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.04.2017

Rezensent Friedemann Bieber erkennt in dem Buch der beiden Oxforder Migrationsforscher Alexander Betts und Paul Collier einen wichtigen Beitrag zu einer Debatte, die er sich herbeiwünscht. Den Autoren scheint der Moment dazu günstig. Ihre Analyse der aktuellen Flüchtlingspolitik der EU mit der Kernthese, diese gefährde die prinzipielle Fähigkeit der Gemeinschaft, Menschen in Not zu helfen, findet Bieber anregend. Die Forderung, Ressourcen bestmöglich zu nutzen, Konventionen und Institutionen zu überdenken und die Selbständigkeit der Betroffenen zu fördern, kann er nachvollziehen. Dass sich im Buch Wiederholungen und in anderen Abschnitten mangelnde Tiefe feststellen lässt, erklärt sich Bieber mit Zeitdruck bei der Publikation.
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