Eva Illouz

Der Konsum der Romantik

Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus
Cover: Der Konsum der Romantik
Campus Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783593372013
Kartoniert, 322 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Andreas Wirthensohn. Mit einem Vorwort von Axel Honneth. Zu den kulturellen Widersprüchen, die den Kapitalismus kennzeichnen sollen, gehört der Gegensatz von romantischem Liebesideal und der kalten Welt der Ökonomie. Das in den USA preisgekrönte Buch zeigt dagegen auf, inwiefern die beiden Sphären sich längst wechselseitig beeinflussen und ineinander übergehen: So, wie die Konsumsphäre in wachsendem Maße auf die Erzeugung romantischer Gefühlszustände abzielt, so geraten die Intimbeziehungen immer stärker in Abhängigkeit von der Inszenierung und dem Erlebnis des Konsums. Die kollektive Utopie der Liebe, einst als Transzendierung des Marktes idealisiert, ist im Prozess ihrer Verwirklichung zum bevorzugten Ort des kapitalistischen Konsums geworden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 15.11.2003

Mit ihrer Studie über den Zustand der Liebe in der kapitalistischen Moderne (bzw. Postmoderne) legt die in Jerusalem lehrende Soziologin Eva Illouz nach Ansicht des "lx." zeichnenden Rezensenten einen "Meilenstein" der wissenschaftlichen "Soziologie der Liebe" vor, auch wenn er ihre Thesen nicht brandneu findet. Illouz sieht die Welt des Gegenwartsmenschen derart von ökonomischen Zwängen bestimmt, dass selbst romantische Gefühle den Warencharakter angenommen haben. Mit den Worten des Rezensenten: "Das romantische Ideal selbst ist kommerzialisiert worden, die Liebesbeziehung hat sich nahtlos den Modalitäten der 'politischen Ökonomie' unterworfen." Die Liebe wird dann zum Gegenstand Marktes. Illouz analysiere den Kauf des Kinotickets, die Begleichung der Rechnung für das Candlelight-Dinner usw. als moderne Praktiken, so der Rezensent, "in denen das Konsumieren zum symbolischen Ausdruck des Verliebtseins wird".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2003

Kathrin Kommerell ist von diesem Buch über die Liebe im Kapitalismus sehr angetan und lobt Eva Illouz nachdrücklich für die "gedankenreiche, anregende" Studie. Die Rezensentin findet die Argumente der Autorin für ihre These, dass die Liebe seit Anfang des 20. Jahrhunderts vom Konsum nicht mehr zu trennen ist, sehr überzeugend und auch die Behauptung, dass "Liebende aus der Mittel- und oberen Mittelschicht" bei der Verwirklichung der romantischen Liebe gegenüber weniger gut Verdienenden privilegiert sind, lobt sie als "einleuchtend". Diesen Befund sieht Kommerell im Übrigen auch in dem "ausgezeichneten Vorwort" vom Leiter des Frankfurter Instituts für Sozialforschung Axel Honneth bestätigt, der insbesondere diesen Punkt der sozialen Ungleichheit betont. Die Rezensentin hat in dem Buch durchaus "überraschende Ergebnisse" gefunden, doch was ihr besonders gefällt, ist die "undogmatische und souveräne" Haltung der Autorin, die sich nicht von "einer Idee hinreißen" lässt, sondern ihre eigenen Befunde in Frage stellt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Elisabeth von Thadden hat in Eva Illouz eine legitime Nachfolgerin der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule ausgemacht und ist der israelischen Soziologin durch das Verstrickungsgebilde von Liebe und Kapitalismus gefolgt, bis hin zu der Erkenntnis: Je mehr die Liebe, die romantische Liebe moderner Spielart, eigentlich von Nützlichkeitserwägungen abgetrennt wurde, desto stärker wurde sie umschlungen und schließlich eins mit dem Warenkonsum. Fast alle unserer Ausdrucksformen von Liebe sind käuflich. Die Liebe, gedacht als anderer Ort des Marktes, ist gar nicht möglich ohne ihn. Das Versprechen der Freiheit, das von der Liebe ausgeht, führt also in eine Aporie und in eine immerwährende "Zerreißprobe", der wir unweigerlich ausgesetzt sind: Wir versuchen, etwas Einzigartiges auszudrücken und damit zu verwirklichen, und gehen einkaufen. Wir wollen lieben, aber wir müssen auch lieben, denn "nur so wird der Mensch zum Original", und Individualität ist Voraussetzung - auf dem Markt, in der Liebe. Die Rezensentin kann das Buch uneingeschränkt empfehlen: "Methodisch angstlos", an Theorien von Durkheim, dem Ethnologen Victor Turner und Bourdieu anknüpfend, habe Illouz ein faszinierendes Buch komponiert, eine Studie, die "vor Paradoxien birst" und "trotz ihrer abenteuerlichen Komplexität höchst unterhaltsam" ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 08.10.2003

In ihrer "brillanten, komplexen und materialreichen Untersuchung" zielt Eva Illouz weiter als Niklas Luhmann, bescheinigt ihr Rezensent Bernd Stiegler. Denn es gehe ihr nicht nur um die Kommunikationsformen der Liebe, sondern auch um ihre "Pragmatik". Das heißt, sie befasst sich mit den Veränderungen, denen die "romantische Liebe" durch die Veränderungen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unterworfen wurde, schreibt Bernd Stiegler. Kinogänge, Restaurantbesuche und gemeinsame Reisen gehörten und gehören demnach zur Kunst des Liebens hinzu, und die Werbung hat jene Schablonen des Glücks weidlich genutzt. So weit so gut, - aber was ist neu? Stiegler findet, dass die Autorin nicht nur überdeutlich auf die Schichtzugehörigkeit jener verweist, die sich solcherart "Transgression des Alltags" leisten können, sondern dass sie wichtige, weitergehende Fragen aufzuwerfen hilft. Stiegler nennt diese Fragen am Ende und greift darin genüsslich auf alte Definitionen, wie die am Beginn seiner Rezension zitierte von Nietzsche zurück, der meinte, Liebe sei erfunden worden, "um uns 'warmblütigen Thieren mit kitzlichem Herzen'" das Frösteln gegenüber der Kälte des "vornehmen Ehe-Begriffs" zu nehmen. Der Rezensent möchte der Konsumverfallenheit der Liebe gern etwas entgegensetzen, und löscht am Ende Illouz' Analyse fast wieder aus. Man kann es ihm nachfühlen.

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