Aus dem Schwedischen von Hanna Granz. Nach zwei Jahrzehnten kehren die Brüder Benjamin, Pierre und Nils zum Ort ihrer Kindheit - ein Holzhaus am See - zurück, um die Asche ihrer Mutter zu verstreuen. Eine Reise durch die raue, unberührte Natur wie auch durch die Zeit. Im Kampf um die Liebe der Mutter, die abweisend und grob, dann wieder beinahe zärtlich war, haben die Jungen sich damals aufgerieben bis zur Erschöpfung. Heute fühlen sie sich so weit voneinander entfernt, dass es kein Aufeinanderzu mehr zu geben scheint. Und doch ist da dieser Rest Hoffnung, den Riss in der Welt zu kitten, wenn sie sich noch einmal gemeinsam in die Vergangenheit vorwagen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.11.2021
Rezensent Werner Bartens wundert sich, dass es kein großes dunkles Geheimnis gibt in Alex Schulmans Roman über drei Brüder und ihre emotional unbeholfenen Eltern. Was die Brüder zornig macht, Argwohn und Zwietracht sät, scheint laut Bartens verborgen, weil es kein punktuelles Ereignis ist, sondern das Grauen des Alltäglichen. So düster der Text Bartens erscheint, so großartig funktioniert er für ihn als Familienroman, so intensiv findet er ihn in seinen Nuancen, seiner Lakonie und seinen Bildern, die die Unfähigkeit der Eltern und den Schmerz und die Angst der Kinder vermitteln.
Rezensentin Katharina Granzin ist von Alex Schulmans Familienroman gefesselt. Der in Deutschland bisher unbekannte Autor schreibt darin bestechend klar aus der Perspektive von Benjamin, dem mittleren von drei Brüdern, und seiner belasteten Familienbeziehung, unter anderem ausgelöst durch traumatisierende Ereignisse, so Granzin. Obwohl Schulmans Bücher normalerweise familienautobiografisch sind, fiktionalisiert er der Rezensentin zufolge in dieser Erzählung viele der geschilderten Ereignisse. Als Beispiel dafür nennt die Rezensentin die schockierende und eindeutig fiktive Wendung an zentraler Stelle der Handlung, die für sie ein leichter Schwachpunkt des Romans ist, denn Schulmans übliche "emotionale Authentizität" empfindet sie als Stärke. Abgesehen davon ist diese Erzählung aber von hohem Formbewusstsein und deutlicher Klarheit geprägt, merkt Granzin an.
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