Albrecht Koschorke

Körperströme und Schriftverkehr

Mediologie des achtzehnten Jahrhunderts
Cover: Körperströme und Schriftverkehr
Wilhelm Fink Verlag, München 1999
ISBN 9783770533770
Kartoniert, 507 Seiten, 65,45 EUR

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999

Christoph Albrecht zeigt sich angetan von diesem Versuch, die "Verschriftlichung" der europäischen Kultur im 18. Jahrhundert darzustellen. Mit der immer weiter gehenden Alphabetisierung setze eine Kultur ein, die sich etwa in den Briefromanen Goethes oder Rousseaus repräsentiere: das Zeitalter der Empfindsamkeit und Romantik, die gerade das "kalte Medium" der Schrift aufheize. Vor diesem Zeitalter habe noch eine Physiologie der Körpersäfte, Miasmen und Ausdünstungen vorgeherrscht, nun werde der Körper durch neue hygienische Praktiken gewissermaßen ausgetrocknet, während es die Seele ist, die sich in Herzensergießungen verflüssige. Koschorke knüpfe in seiner Darstellung eher an Niklas Luhmann als an Jacques Derrida an. Albrecht lobt die Ausgrabungen literarischer Quellen und die vielen interessanten Zitate bei Koschorke, findet aber, dass "die Geschichte der Physiologischen Theorien ... aus dem Blick" gerät. Den historischen Zusammenhang der Industrialisierung und des sich ausweitenden Buchmarkts, in den Koschorke seine Geschichte stellt, findet Albrecht "ziemlich global". Besonders bemängelt der Rezensent das Fehlen eines Registers.

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