Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2005
Alice Vollenweider bespricht kurz und bündig drei neu aufgelegte Prosastücke des Tessiners Alberto Nessi, der, 1940 geboren, seine Heimat nie verlassen habe. Die chronologisch aufgebauten Erzählungen seien auch ein sozialgeschichtlicher Abriss des Grenzlandes Tirol und Kantons Mendrisiotto. Über den Zeitraum der letzten hundertfünfzig Jahre spiegelten sie mit dem Einsetzen der Industrialisierung den Niedergang einer Kulturlandschaft wider und in der Folge die Vertreibung der durchweg armen Landbevölkerung, die das Personal von Alberto Nessis episodenhaften Erzählungen abgibt. In dokumentarisch-realistischem Stil, der von sprachlicher Dissonanz geprägt sei, so die Rezensentin, gelinge es dem Autor "den Rahmen des Einzelschicksals oder historischen Anlasses zu sprengen", was nicht zuletzt an den "armen Helden" liege, die als "terra matta", nämlich "hartnäckige Tollköpfe" von der Lust am Widerstand gestärkt, ein Abbild der Landschaft geben, die sie zu verteidigen suchen.
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