Herausgegeben von Claus-Dieter Osthövener. Adolf von Harnacks Vorlesung über das Wesen des Christentums wurde im Wintersemester 1899/1900 für Hörer aller Fakultäten in Berlin vorgetragen. In ihrer Verbindung von luzider Darstellung, wissenschaftlicher Reflektiertheit und historisch fundierter Modernität gehört sie zu den Grundschriften der neuzeitlichen Theologie. Die hier vorgelegte Edition bietet den Text der letzten von Harnack betreuten Ausgabe dieser erfolgreichen Schrift aus dem Jahre 1929. Hinzu kommt ein Anhang mit wichtigen, bislang wenig beachteten Texten aus dem Umfeld der Vorlesungen sowie mit einigen Materialien aus dem Nachlass Harnacks, die hier erstmals veröffentlicht werden. Die Anmerkungen des Herausgebers schlüsseln Anspielungen und Zitate auf und liefern Querverweise auf das übrige Werk. In einem Nachwort wird die Bedeutung dieser Schrift innerhalb des Gesamtwerks Harnacks und der zeitgenössischen Diskussionslage nachgezeichnet. Detaillierte Namens- und Sachregister erleichtern die Erschließung des Textes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2005
Wolfram Kinzig ist nicht unzufrieden mit dieser Neuausgabe von Harnacks Vorlesungen aus dem Wintersemester 1899/1900, zumal sie umfassend erläutert sind und zusätzliches Material aus dem Nachlass des Theologen enthalten. Unzufrieden ist er allerdings mit der Forschung zu Harnack, die dessen optimistische "Geschichtshermeneutik" - sein Versuch, aus der Geschichte des Christentums und des Evangeliums eine Teleologie der Menschheit zu entwerfen - noch immer eher mit ehrfürchtigem Blick betrachtet, als sie selber zu historisieren. Das, so Kinzig, gilt auch für das Nachwort von Claus-Dieter Osthövener. Also macht der Rezensent selber den Anfang und stellt die Abhandlung von Harnack in einen ideengeschichtlichen Zusammenhang mit zwei anderen um die Jahrhundertwende erschienenen einflussreichen Welterklärungsschriften: Haeckels "Die Welträthsel" und Chamberlains "Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts".
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