Christoph Markschies

Kaiserzeitliche christliche Theologie und ihre Institutionen

Prolegomena zu einer Geschichte der antiken christlichen Theologie
Cover: Kaiserzeitliche christliche Theologie und ihre Institutionen
Mohr Siebeck Verlag, Tübingen 2007
ISBN 9783161492631
Kartoniert, 525 Seiten, 99,00 EUR

Klappentext

Die Theologiegeschichte des antiken Christentums wird gern nach neuzeitlichen Loci wie beispielsweise "Kanon" oder "Trinität" geordnet, die bis heute in der systematischen Theologie verwendet werden, und die antiken christlichen Theologen werden gern zu Vorläufern neuzeitlicher Theologieprofessoren stilisiert. Christoph Markschies untersucht, in welchen Institutionen das betrieben wurde, was wir seit dem Mittelalter als "Theologie" bezeichnen und fragt, ob die Inhalte dieser "Theologie" sich je nach institutionellem Kontext unterschieden. Behandelt werden im ersten Teil des Buches u.a. apokalyptische Zirkel (vor allem die sogenannten "Montanisten"), freie Lehrer (wie die Apologeten), feste Schulzusammenhänge (am Beispiel der Schule des Origenes) und die Liturgie als institutionelle Rahmen. Die Geschichte des Kanons biblischer Schriften dient als Beispiel eines institutionenabhängigen Theologumenons im zweiten Teil. Dabei zeigt sich, daß das, was heute mit dem Begriff "Theologie" zusammengefaßt wird, je nach institutionellem Kontext sehr unterschiedlich ausfiel, aber doch durch eine Reihe gemeinsamer Überzeugungen und Standards verbunden war. Eingeleitet wird die Monographie durch Untersuchungen zum Begriffsfeld "Theologie", abgeschlossen durch den Versuch, die Ergebnisse auf die alte Frage nach der Einheit des antiken Christentums in der Vielfalt seiner Erscheinungen anzuwenden.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2008

Reserviert äußert sich Wolfram Kinzig über diese Untersuchungen zur Entstehung der Theologie im antiken Christentum, die der Kirchenhistoriker Christoph Markschies vorgelegt hat. Neben einer Darstellung der Theologie als Produkt antiker Institutionen und einer Erläuterung des Zusammenhangs von Institution und Norm findet er eine Frage nach der Einheit des vielgestaltigen antiken Christentums. Kinzigs sieht das Werk weder als Lehrbuch noch als sonstige Synthese, sondern eher als eingehende Beschäftigung mit eigenen und fremden Forschungsergebnissen zu den  genannten Themen, bei der es "demonstrativ gelehrt" zugeht. Kritisch hält er fest, dass über die gelehrten Ausführungen das eigentliche Thema immer wieder "aus dem Blick" gerate. Die Ergebnisse, die der Autor zu Tage fördert, fallen nach Kinzigs Einschätzung zudem eher "mager" und, was die Frage nach der Einheit in der Vielfalt des antiken Christentums betrifft, auch nicht immer überzeugend aus. Sein Fazit: "Ein Buch, in dem man vieles findet, das aber wenig erklärt."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.10.2007

Eindrucksvoll sieht Stefan Rebenich in Christoph Markschies Geschichte der frühchristlichen Institutionen das Bemühen um interdisziplinäre Verknüpfung demonstriert. Der renommierte Kirchenhistoriker bezieht in seine jüngste Studie zum Christentum in der Antike sowohl anthropologische wie sozialwissenschaftliche Methoden mit ein, stellt der Rezensent zufrieden fest, der sich allerdings bei der Klärung des Begriffs und der Auffassung von "Institution" noch Unterstützung durch Max Weber und Reinhard Koselleck erhofft hätte. Dagegen findet er die Darstellung früher Institutionen in der frühkirchlichen Theologie, unter die bei Markschies auch der Gottesdienst oder christliche Schulen und Universitäten im Römischen Reich fallen, sehr plausibel. Insbesondere bei der Geschichte der Kanonisierung der biblischen Texte fällt Rebenich positiv auf, dass sich der Autor von allzu gradlinigen Deutungsmodellen, die die traditionelle Kirchengeschichte mitunter bis heute prägen, verabschiedet hat und mit Hilfe von "sozialwissenschaftlichen Modellen" zu differenzierteren Urteilen kommt. Abschließend kann sich der insgesamt sehr zufrieden wirkende Rezensent dem Votum Markschies' nur anschließen, frühchristliche Geschichte nicht durch die Brille der Gegenwart zu beurteilen, wenn man der Komplexität der historischen Situation gerecht werden will.