Achille Mbembe

Die terrestrische Gemeinschaft

Technik, Animismus und die Erde als Utopie
Cover: Die terrestrische Gemeinschaft
Matthes und Seitz, Berlin 2025
ISBN 9783751820585
Gebunden, 320 Seiten, 23,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Jörg Theis. Wer sich mit der Erde befasst, nimmt eine symbiotische Kette in den Blick: die Kette des Lebendigen in ihren unzähligen Ausprägungen. Menschen, Tier- und Pflanzenarten, Mikroben, Bakterien und Viren, anorganische Körper und Mineralien sowie technische Geräte und andere künstliche Apparaturen sind deren untrennbare Teile. Aber auch alle unsichtbaren Kräfte, Genien, Geister und Masken gehören dazu. Auf der Grundlage dieses unergründlichen, dem afrikanischen Denken entlehnten Reichtums entwickelt Achille Mbembe in diesem Essay eine Reflexion über die Erde, ihre Zukunft und vor allem über die Art von Gemeinschaft, die sie mit den belebten und unbelebten Arten bildet, die sie bewohnen, auf ihr Zuflucht gefunden haben und sich auf ihr aufhalten. Er zeigt, wie unsere eigentliche Beziehung zur Erde nur die der vorübergehenden Bewohner und Passanten sein kann. Als solche nimmt sie uns auf und beherbergt uns, sie pflegt die Spuren unseres Aufenthalts, die in unserem Namen sprechen und daran erinnern, wer wir im Umgang mit anderen und mitten unter ihnen waren. Eine solche Beziehung ist die letzte aller Utopien, der Grundstein für ein neues planetares Bewusstsein.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2025

Ein veritabler Verriss: Rezensent Dieter Thoma lässt kein gutes Haar an Achille Mbembes neuem Buch, in dem sich der Philosoph indigenistisch geriert, was seinen älteren, besseren Schriften widerspricht. Zwei Schwerpunkte hat das Buch laut Thoma, zum einen Technikkritik, zum anderen eine Hinwendung zu einer, Zitat Mbembe, "Reparatur der Welt" mithilfe afrikanischer Denktraditionen. In beiden Hinsichten bleibt Mbembe, ärgert sich Thoma, an der Oberfläche, etwa wenn er mit Buzzwords wie Gentechnik und Klimakatastrophe um sich wirft oder behauptet, dass Technik nach wie vor allseits als Mittel zur Verbesserung gedeutet wird, der Bezug auf afrikanisches Denken wiederum bleibt im Anekdotischen stecken. Ausgesprochen repetitiv und schlecht übersetzt ist das alles auch noch, und wenn Mbembe, um die beiden Teile seines Buches zu verbinden, den Zauberbegriff "Animismus" aus dem Hut zaubert, wird es auch nicht besser, erinnert Thoma vielmehr in negativer Hinsicht an Heidegger. Einzig mit dem gedanklichen Ausgangspunkt, der Eurozentrismuskritik, kann Thoma etwas anfangen, dass aber auch diese ihre Ursprünge in Europa hat, davon will Mbembe dann wieder nichts wissen, schließt die vernichtende Besprechung.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 15.04.2025

Das "Anthropozän" sei einem "Technozän" gewichen, das nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen unterworfen hat, so die zentrale These von Achille Mbembes neuem Buch, erfahren wir von Rezensent Leander Scholz. Die weit fortgeschrittene "Mathematisierung der Welt", die technische Kontrolle von Tier- und Pflanzenwelt und die zunehmende Digitalisierung hätten laut Mbembe zu einer "zweiten Schöpfung" geführt, die die Lebewesen von sich selbst entfremdet zurück lasse, resümiert der Kritiker. Der westlich-europäische Fortschrittsgedanke hat die Welt und Umwelt ruiniert, so die "verheerende" Bilanz des Buches - Heilung könne nur ein neues Naturverständnis bringen, das er im "afrikanischen Animismus" verankert sehe. Die Menschheit könne demnach nur überleben, wenn sie mit der Natur und anderen Lebewesen im Einklang lebe. All das findet der Kritiker "poetisch" vorgetragen - leider bleibt der Autor einen Rat zur konkreten Umsetzung dieser Utopie schuldig.

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