Der Sturz des Himmels
Worte eines Yanomami-Schamanen

Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN
9783751820134
Gebunden, 957 Seiten, 44,00
EUR
Klappentext
Aus dem Französischen von Karin Uttendörfer und Tim Trzaskalik. Der Sturz des Himmels ist ein alle Gattungen sprengendes, monumentales Werk: schamanisches Lehrstück, leidenschaftliche Verteidigung der Rechte indigener Völker und kompromisslose Verurteilung der Verwüstungen, die an Mensch und Umwelt begangen werden. Die Autobiografie des Schamanen Davi Kopenawa ist eine für das Menschheitsgedächtnis höchst bedeutende Erzählung, entstanden aus der jahrzehntelangen Freundschaft zwischen dem Schamanen und dem Anthropologen Bruce Albert: Zwischen 1989 und 2001 führten sie in unregelmäßigen Abständen Gespräche auf Yanomami, die sie auf Tonband aufnahmen und die von Albert transkribiert wurden. Albert gelang dabei, die lebendige und schillernde Rede des Davi Kopenawa in einer ebenso luziden wie literarischen Sprache zu fixieren: In ihr wird das Leben der Yanomami greifbar, ihre Kosmologie und ihr Schamanismus, ihre Auffassungen über Verwandtschaft, Krieg, Anführerschaft und Redekunst. Kopenawa verflicht kunstvoll literarische Gattungen und wissenschaftliche Disziplinen. In seiner Rede drückt sich aus, wie verwoben persönliche Geschichte und kollektives Schicksal sind.
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Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.10.2024
Rezensent Karl-Heinz Kohl liest das Buch, das der Yanomami Schamane Davi Kopenava zusammen mit dem Ethnologen Bruce Albert verfasst hat und das im französischen Original bereits 2011 erschien, mit einiger Ehrfurcht. Nicht nur der schiere Umfang flößt Kohl Respekt ein, auch die Botschaft: Das Ende der Erde ist nah, heißt es da, und Schuld ist der weiße Mann. Davon mal abgesehen bietet der Band Kohl seltene Einblicke in das Weltbild der Yanomami und Kopenavas Weg zum Schamanen. Wenn der Schamane allerdings aus seinen Träumen und von seinen Traditionen berichtet, beschleichen Kohl Zweifel an der Authentizität. Als kraftvolle Naturlyrik haben die Ausführungen über eine beseelte Welt für den Rezensenten dennoch durchaus etwas für sich, auch wenn er darin so etwas wie ein "transkulturelles Kunstwerk" erblickt, an dem auch der Co-Autor seinen Anteil hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 12.10.2024
Ein Buch, das einen als Weißen beschämt, haben Davi Kopenawa und Bruce Albert laut Rezensent Cord Riechelmann geschrieben. Riechelmann geht ausführlich auf die Biografie Kopenawas ein, ein im brasilianischen Norden geborener Indigener, der große Teile seiner Familie durch von weißen Christen eingeschleppte Krankheiten verlor, für die brasilianische Indigenen-Behörde arbeitete, sich schließlich aber in einem Indigenen-Dorf der Yanomami niederließ und Schamane wurde. Diese Erfahrungen verarbeitet er gemeinsam mit Bruce Albert, einem Begleiter der Yanomami, zu einer Art Gegen-Anthropologie, die laut dem Vorwort Eduardo Viveiros de Castro den Vergleich mit Lévi-Strauss' "Traurige Tropen" nicht zu scheuen braucht, so der Kritiker. Riechelmann zufolge beschreibt Kopenawa in den Gesprächen mit Albert, aus denen dieses Buch entstanden ist, die Weißen, die die natürliche Lebensgrundlage der Indigenen zum Beispiel als Goldsucher zerstören, und er beschreibt auch, wie sein eigener Blick auf die Weißen sich verändert. Riechelmann liest gebannt diese Geschichte eines Überlebenden, der eine regelrechte Kosmologie entwirft, in der unter anderem der Wald eine wichtige Rolle spielt. Animismus als sensibler Materialismus: Auf diese Formel bringt der Rezensent abschließend dieses Buch, aus dem ihm zufolge die Nachfahren der Goldsucher nicht genug lernen können.