Adolf Muschg, 1934 geboren, ist in einer kleinen Lehrerwohnung an der Zürcher Goldküste aufgewachsen, unter reichen Leuten. Der Vater, strenger Pietist, kennt nur eine Autorität, unter die er seine gesamte Familie zwingt: die reformierte Bibel. Nach seinem Tod lebt die sehr viel jüngere, depressive Mutter mit ihrem Sohn in enger Symbiose. Der Junge hat eine Rettungsfantasie, die ihm hilft, durchzustehen: Schriftsteller werden. Zunächst aber wird er Lehrer am Gymnasium in Zürich, dann Lektor in Japan, später Professor an der ETH in Zürich. Da ist aber, nach Kritiken und Essays, auch sein Debütroman erschienen: "Im Sommer des Hasen". Heute ist Muschg einer der wichtigsten deutschsprachigen Schriftsteller und ein europäischer Intellektueller, Büchnerpreisträger ("Der rote Ritter") und mit seinem erzählerischen und essayistischen Werk immer präsent. Das biografische Porträt von Manfred Dierks charakterisiert Muschgs Werk und beschreibt wichtige Stationen seines Lebens. Im Hintergrund steht immer die Zeitgeschichte und wie Muschg sie deutet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.05.2014
Der Biograf Manfred Dierks ist ein Generationsgenosse Muschgs, bemerkt Sandra Kegel zu Beginn ihrer Rezension, die zugleich ein Gratulationsartikel zur Muschgs Achtzigstem ist, und er entledigt sich der Aufgabe, eine Biografie zu Lebzeiten ihres Gegenstands mit Sympathie, aber nicht ohne Distanz zu schreiben laut Kegel mit Anmut und "gelegentlichen Distanzierungsmerkmalen". Dann referiert sie im wesentlichen, schildert Muschgs mehrfache Außenseiterposition - einerseits sozial: denn er ist unweit Zürichs geboren, und sein Schreiben sei ein lebenslanges "Nein zur Goldküste" des Zürichsees, mit deren reichen Bewohnern er sich niemals anfreunden konnte. Und andererseits ist er auch familiär ein Außenseiter, so Kegel, denn er ist ein Nachzügler aus zweiter Ehe seines Vaters, und sein eigentlicher Vaterersatz war sein Halbbruder Walter Muschg, der 36 Jahre älter war, ein angesehener Germanist, der unter anderem Kontroversen mit Thomas Mann ausfocht und von Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt bewundert wurde. Die Biografie ist für Kegel ein anregender Streifzug durch den goldenen Herbst der literarischen Spätmoderne.
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