"Sie beauftragten mich, Arnes Nachlaß einzupacken" - so beginnt Siegfried Lenz` neuer Roman, der vor dem Hintergrund des Hamburger Hafens und seiner Werften spielt. Hans, der Ich-Erzähler, muß die kleinen und großen Schätze sichten, die Arne Hellmer zurückließ. Jener Arne Hellmer, den Hans` Eltern nach einem schrecklichen Unglück bei sich aufnahmen.
Gern nimmt sich Rezensent Jörg Magenau noch einmal Siegfried Lenz' seinerzeit von der Kritik wenig freundlich aufgenommenes Spätwerk vor, das nun in der Hamburger Ausgabe der Werke des Autors, herausgegeben und mit Bonusmaterial versehen von Günter Berg, Heinrich Detering und Maren Ermisch, vorliegt. Der Erzähler des Buches arbeitet sich, lesen wir, durch den Nachlass der Hauptfigur Arne, erfahren wir, dessen Verbleib zunächst unklar ist und Spannung generiert. Magenau hebt das Unzeitgemäße an Lenz' Schreiben hervor, was sich unter anderem darin äußert, dass der noch jugendliche Erzähler keineswegs jugendlich, sondern regelrecht altersweise schreibt. Es entfaltet sich die Geschichte eines Außenseiters und gerade darin ist dieses Buch immer noch außerordentlich aktuell, findet Magenau. Der Rezensent nimmt auf einige wenig freundliche Besprechungen Bezug, die der Neuauflage beigefügt sind, und verteidigt gegen diese das zeitlose, am Mythos geschulte Schreiben Lenz'.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 14.10.1999
Dieter Borchmeyer bespricht das Buch mit großer Sympathie. Vor allem gefällt ihm Siegfried Lenz` Abkehr von einer früher oft pädagogisch gefärbten, "gewollten" Erzählweise hin zu ganz leisen Tönen, mit denen der Autor jedoch Charaktere und Landschaften umso eindringlicher zu schildern wisse. Mit bescheidenem Aufwand gelinge es Lenz, eindrucksvolle Atmosphären herauf zu beschwören und mit nur wenigen Zeilen die Weltfremdheit des Arne lebendig zu machen. Zwar vermisst der Rezensent ein wenig Lenz` früheren Humor, dafür lobt er den Autor als den "grössten Melancholiker der deutschen Gegenwartsliteratur".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.1999
In einer etwas zähen Kritik nennt Harald Hartung den Roman "ein altmodisches Buch", mit dem Lenz jedoch ein bißchen zu alter Größe zurückfinde. Es gelingt ihm überzeugend, die Gefühle des jungen Mannes darzustellen, der den Koffer öffnet, meint Hartung und zitiert zum Beleg Marcel Reich-Ranicki, der gerade diese Stelle auch sehr gelobt habe. Später verliere der Roman jedoch an Faszination. Vor allem Arnes besondere Intelligenz werde mehr behauptet als ausgemalt. Alles in allem: eine Jugenderzählung.
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