
Schon zu Sowjetzeiten hat die russische Bevölkerung für Nahrung oder Kleidung angestanden - heute stehen sie vor der
Rekrutierungsstelle in Moskau,
berichtet Olessja Gerassimenko auf
Verstka (
hier mehr Informationen und hier die
deutsche Übersetzung bei Dekoder). Dabei spielen der ukainische Einmarsch in Kursk und das hohe Gehalt in der Armee eine entscheidende Rolle. "Die langen Schlangen vor der Rekrutierungsstelle haben sich nach dem 6. August gebildet, als ukrainische Truppen auf das Territorium der Oblast Kursk vorstießen. 'Jetzt haben wir 500 Leute am Tag, wir kommen kaum hinterher', berichtete ein Psychologe der Rekrutierungsstelle im August. 'Normalerweise waren die Kollegen im Chill-Modus, gingen abends um sechs nach Hause und hingen tagsüber entspannt im Park ab. Dann passierte Kursk, und jetzt kommen sie, der
Zustrom reißt gar nicht mehr ab. Wir arbeiten jetzt bis zehn Uhr abends.'" In den Schlangen finden sich viele gescheiterte Existenzen. "Der Bauarbeiter Gennadi hat wegen Diebstahls gesessen, dann fand er eine Freundin. 'Wir bekamen ein Kind, aber es hat nicht funktioniert. Wir waren aber nicht verheiratet. Und weiter? Ich habe gesoffen und gearbeitet, habe nicht gesoffen und gearbeitet. Ich musste gehen und den Vertrag unterschreiben, damit ich
ein besseres Leben beginnen kann. Mein Leben wird in Ordnung kommen. Ich hatte nie einen Wehrpass, konnte nie eine normale Arbeit finden.'"
Auch Frauen finden sich ein. Sie können unter anderem als
Scharfschützin unterschreiben. "Eine von ihnen, unverheiratet, jung, schön, sagt: 'Dort werde ich jemanden für mich finden.' Eine andere erzählte, dass ihr Mann im Krieg sei; Kinder hätten sie keine: 'Ich will nicht zu Hause sitzen und auf ihn warten; mir geht's schlecht, ich gehe auch hin.' Eine dritte ist Sängerin und Tänzerin in einem Ensemble. Nachdem sie zu Auftritten nach Syrien und in die besetzten Gebiete gereist ist, hat sie beschlossen, lieber mit einem militärischen Rang
patriotische Lieder zu singen als in Zivil. Auch eine Mutter mit zwei kleinen Kindern hat sich in der Rekrutierungsstelle gemeldet, eines war drei, das andere war ein Jahr alt. Einer der Informanten, mit denen Verstka sprechen konnte, fragte sie: 'Und die Kinder?' 'Denen geht's gut", entgegnete die Frau, 'die bleiben bei ihrer Oma und bei ihrem Vater.'"