Zurab Karumidze

Dagny oder Ein Fest der Liebe

Roman
Cover: Dagny oder Ein Fest der Liebe
Weidle Verlag, Bonn 2017
ISBN 9783938803851
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem englischen Original übersetzt von Stefan Weidle. Fast wäre es leichter aufzuzählen, was in diesem Roman nicht vorkommt, denn Zurab Karumidze hat alles in sein großes postmodernes Spiel gepackt, dessen er nur irgend habhaft werden konnte. Immerhin aber hat er uns eine zentrale Figur geschenkt, Dagny Juel. Die gab es wirklich, sie wurde am 4. Juni 1901 in Tiflis von einem nicht erhörten Liebhaber erschossen. Sich selbst erschoß er dann auch. Am 8. Juni 1901, ihrem 34. Geburtstag, wurde Dagny in Tiflis beerdigt. Dagny Juel war Norwegerin, sie lernte früh Edvard Munch kennen und wurde sein Modell (etwa für die berühmte "Madonna"). Später traf sie auf August Strindberg, der sie erst liebte und dann in einem Drama vernichtete. Schließlich aber heiratete sie den Bohemiensatanisten Stanislaw Przybyszewski, mit dem sie in dem Berliner Künstlerkreis um die Kneipe "Das Schwarze Ferkel" unterwegs war. Przybyszewski verkaufte sie dann an seinen Jünger Wladyslaw Emeryk, der sie nach Tiflis mitnahm. Dagny Juel hat selbst Gedichte und kurze Dramen geschrieben, die Karumidze immer wieder zitiert; diese Passagen wurden für die deutsche Fassung eigens aus dem Norwegischen übersetzt.
Wer tritt sonst noch auf in diesem Roman? Zunächst der georgische Mystiker Georges Gurdjieff und der georgische Volksdichter Wascha-Pschawela. Weiter ein sprechender Rabe vom Saturn, der Maler Niko Pirosmani, ein tibetanischer Schamane und viele andere. Sie alle nehmen an einem "Fest der Liebe" teil, das dann gründlich schiefgeht, weil sich der junge Revolutionär Koba einmischt, der ein Auge auf Dagny geworfen hat. Er wird später als Josef Stalin in die Geschichte eingehen. Und natürlich spielt das georgische Nationalepos, "Der Recke im Tigerfell" von Schota Rustaweli, eine wichtige Rolle.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.11.2017

In seinem neuen Roman setzt der georgische Autor Zurab Karumidze eine reale Person an einem realen Ort einer vollkommen irrealen Situation aus, erklärt Rezensent Moritz Müller-Schwefe und zeigt sich begeistert von diesem Prinzip und der konkreten Umsetzung. Die reale Person ist die legendenumwobene Norwegerin Dagny, der reale Ort ist Tiflis, wo die "Femme fatale" 1901 (tatsächlich) Opfer eines Eifersuchtsmordes wurde, der Rest jedoch - das Zusammentreffen von Persönlichkeiten wie Stalin, Georges Gurdjieff und Wascha-Pschawela, die Vorbereitungen eines "Festes der Liebe", die Beteiligung eines Außerirdischen an diesen Vorbereitungen - all das ist erfunden beziehungsweise den Legenden um Dagny entnommen oder von den Märchen und Mythen aus Karumidzes georgischer Heimat inspiriert, lesen wir. Dem Wissenden offenbaren sich die zahlreichen intertextuellen und historischen Bezüge und bereiten Freude, für den Unwissenden lohnt es sich, ab und an das Internet zu befragen, empfiehlt Müller-Schwefe, um in den ganzen Lesegenuss dieses herrlichen Buches, dieses "Plädoyers für die Fantasie" zu kommen.
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