Aus dem kubanischen Spanisch von Klaus Laabs. Marcela, in Europa gestrandete kubanische Fotografin, gelingt in der neuen Welt alles, was sie anpackt. Dennoch will sie sich von ihrem Erfolg nicht knechten lassen. Sie flieht vor dem Ruhm und widmet sich lieber den Dingen, die ihr wichtiger sind. Unter ihren zahlreichen kubanischen Freunden, die weltweit verstreut im Exil leben, ist sie diejenige, die über die Erinnerungen an die zurückgelassene Welt wacht. Sie ist die Regentin über das kollektive Gedächtnis an eine Zeit, die unwiederbringlich verloren ist. Aber Marcela ist auch eine gefangene Königin. Gefangen in den Gedanken an die Vergangenheit und an ein totgeschwiegenes Verbrechen. Gefangen in ihren Träumen, in denen noch immer jenes verhängnisvolle Bündel von Briefen schwelt, die eine Tragödie ausgelöst haben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 01.12.2004
Besonders überzeugt ist Rezensent Georg Sütterlin nicht von diesem neuen Roman der Exil-Kubanerin Zoe Valdes. Er findet, dass es ihr an schriftstellerischen Qualitäten mangelt - auch wenn sie die eine oder andere spannende Einsicht zu vermitteln hat: etwa über die von Heimweh geplagte kubanische Exilantenszene. Doch im Detail sind ihm die von ihr entworfenen Charaktere einfach nicht schlüssig, zu oft beschränke sich die Autorin darauf, "etwas zu behaupten, anstatt den Stoff überzeugend zu gestalten". Auch mit ihren sprachlichen Mitteln wird Sütterlin nicht glücklich. Er weiß nicht, was Valdes mit ihrer verbalen "Kraftmeierei" vermitteln will. Trotzdem oder gerade deshalb beeindruckt ihn die Leistung des Übersetzers Klaus Laabs, der "das Schnoddrige und Saloppe spürbar macht, ohne den Eindruck zu erwecken, der Roman sei in Berlin angesiedelt".
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.06.2004
Der Rezensent Florian Borchmeyer nimmt die deutsche Veröffentlichung des Hauptwerkes der einst linientreuen und dann doch in den Westen geflohenen und dementsprechend umstrittenen kubanischen Autorin Zoé Valdés zum Anlass, ihre literarischen Qualitäten jenseits der ideologischen Konfliktlinien zu überprüfen. Dabei entdeckt er ein bizarres, aber nicht uninteressantes "skurriles Hybridwesen, dessen Existenz man eigentlich gar nicht für möglich hielte: ein hochintellektueller Dreigroschenroman mit dem Anspruch anticastristischer Erbauungsliteratur". Die Inhaltszusammenfassung, die der Rezensent liefert, wirkt jedenfalls schon reichlich bizarr, die Form der Erzählung tut ihr übriges. "Bedeutende Literatur" ist das nach Meinung des Rezensenten zwar nicht, doch auch wenn hier "nichts so recht zueinanderzupassen scheint, verursacht jeder Schluck aus seinen Tassen ein schwer zu leugnendes Lesevergnügen". Dazu beigetragen hat sicher auch die Leistung des Übersetzers Klaus Laabs, von der Borchmeyer sehr angetan ist.
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