Zdravka Evtimova

Maulwurfsblut

Cover: Maulwurfsblut
eta Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783949249228
Gebunden, 192 Seiten, 21,90 EUR

Klappentext

Aus dem Bulgarischen von Andreas Tretner, Elvira Bormann-Nassonowa und Alexander Sitzmann. Pernik, Provinzstadt unweit von Sofia, in postindustrieller Zeit. Ein "Bulgarien in der Nussschale" zu Zeiten der Transformation. In den Ruinen der alten Ordnung zerfallen die patriarchalen Verhältnisse. Während die Männer ausgezogen sind, in Dubai auf dem Bau und bei der Olivenernte in der Toscana schuften oder irgendwo stranden, sind ihre Frauen zuhause mit dem Überleben der Familie beschäftigt, erweitern ihre Horizonte, behaupten sich und ihre Würde.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 10.08.2024

"Von selbstbewussten, aber einsamen Bulgarinnen" erzählen diese enigmatischen und zugleich zupackenden Kurzgeschichten von Zdravka Evtimova, hält Rezensent Jörg Plath fest, die Autorin lebt selbst bei Sofia und arbeitet seit langem im Verteidigungsministerium. Besonders beeindruckt Plath die Geschichte des Dorfpatriarchen Teo und Maria, einer Angestellten, die er zum Essen einlädt und die mit dem Essen gar nicht mehr aufhört. Stets attestiert er den Frauenfiguren großes Selbstbewusstsein, so auch einer verlassenen Ehefrau , die "bis hin zum Badewannenstöpsel" alles verkauft, was der Mann zurückgelassen hat. Der Kritiker kann sich kaum von den spannenden Erzählungen losreißen, wie er resümiert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2024

Mit diesem Buch hat Zdravka Evtimova einen im besten Sinne eigenartigen Kurzgeschichtenband geschrieben, findet Rezensent Jörg Plath. Die bulgarische Autorin porträtiert darin, so der Rezensent, eigenwillige Frauen, die in einem von den im Ausland arbeitenden Männern verlassenen, aber immer noch patriarchal organisierten Land ihr Leben meistern. Da ist, in der Geschichte "Hunger", zum Beispiel die junge Angestellte Maria, die auf die Avancen ihres Vorgesetzten gleichgültig reagiert, im Restaurant die halbe Speisekarte verzehrt und dann verschwindet; in einer anderen Geschichte verkauft eine Frau die Einrichtung ihres abwesenden Mannes und lässt ihm nur Quittungen zurück. All das erzählt Evtimova laut dem Rezensenten in einem teils an komische Genres, teils ans Märchen erinnernden Ton, äußerst knapp und zugleich empathisch. Das von Andreas Tretner, Elvira Bormann-Nassonowa und Alexander Sitzmann übersetzte Buch kann er den Leserinnen empfehlen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 16.07.2024

Ihre Meisterschaft der kleinen Form beweist Zdravka Evtimova laut Rezensentin Olga Hochweis in diesem Buch. Es vereint 21 Geschichten, die allesamt in und um Pernik angesiedelt sind, ein bulgarischer Ort, der wirtschaftlich abgehängt ist. Im Zentrum stehen stets Frauen, beschreibt Hochweis, die allein durchs Leben gehen, die Männer sind fort, teilweise im Ausland auf Arbeit, wohin es auch manche der Frauen zieht. Hochweis skizziert kurz die Handlung zweier Geschichten und lobt vor allem Evtimovas klug verknappte Sprache, die viel mit Andeutungen und Ellipsen arbeitet. Hochweis fühlt sich unter anderem an Alice Munro erinnert und taucht sehr gerne ein in diese Miniaturen, die von Stolz ebenso erzählen wie von Melancholie.
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