Aus dem Polnischen von Karl Dedecius, O. J. Tauschinski und Klaus Staemmler. "Herrn Cogitos Vermächtnis" ist ein Vermächtnis Zbigniew Herberts an seine Leser: 89 Gedichte, vom Autor selbst ausgewählt aus allen Phasen seines Lebens, das von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts nicht zu trennen ist. Vordergründig schlicht, hintersinnig verschmitzt, ernst und heiter zugleich erzählt Herbert von ganz alltäglichen Dingen: von einer Welle, einem Zweig, einem Kieselstein, der Grazie einer Bewegung. Und ebenso unnachahmlich verarbeitet er zeitgeschichtliche Erfahrungen, die man selten ergreifender und anschaulicher zu lesen bekommt als bei diesem Dichter der leisen Töne: Am schönsten ist Nike / wenn sie zögert / die rechte hand an die luft gelehnt / herrlich wie ein befehl / aber die flügel zittern. Die Sinnlosigkeit des Krieges in einem, das Bekenntnis zur Schönheit des Lebens im nächsten Gedicht, das erzeugt die Magie dieser Sammlung, in der manche bekannte Gedichte neu überarbeitet, andere erstmals auf Deutsch zu lesen sind.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.01.2001
Kurt Oesterle stellt zwar fest, dass diese zwei Jahre nach dem Tod des polnischen Lyrikers erschienene Gedichtsammlung neben "wenig Neuem" viel bereits Veröffentlichtes enthält, aber er stört sich nicht daran. Im Gegenteil - er preist die Gedichte als zeitlos und hofft, dass sie "noch manche Zukunft überdauern" werden. In Herrn Cogito, dem lyrischen Ich vieler der Gedichte, sieht der Rezensent den Autor selbst, der sich mit der Philosophie Decartes` intensiv und kritisch auseinandersetzt. Die Texte haben "philosophischen Anspruch" und sind trotz der "prosaischen, ja düsteren" Befunde oft genug von "schroffer Komik", lobt der Rezensent, der der Sammlung Substanz bescheinigt.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 19.10.2000
Peter Hamm nutzt die Besprechung von zwei Gedichtbänden zu einer eingehenden Würdigung des verstorbenen polnischen Lyrikers.
1) Zbigniew Herbert: `Herrn Cogitos Vermächtnis` (Suhrkamp)
Der Rezensent zählt diese Gedichte zu denen, die die Zeit überdauern werden und preist ihre `Anschauungskraft, Gedankenklarheit` und `Welt- und Menschenzugewandtheit`. Die `einzigartigen` Gedichte sieht er aus dem Lyrikschaffen der Zeit herausragen, zumal wegen ihres Widerstands gegen Vorgaben von oben.
2) Zbigniew Herbert: `Gewitter Epilog` (Suhrkamp)
Bei diesem Gedichtband fällt dem Rezensenten zunächst ein Übersetzungsfehler auf, der eine erhebliche Verzerrung des Sinns zur Folge hat. Überhaupt findet er bei dem sonst `verdienstvollen` Buch manches an der Übertragung ins Deutsche `misslich`. Trotzdem ist er auch von diesen Gedichten - kurz vor dem Tod Herberts entstanden - hingerissen. Er preist die ungekünstelte Sprache, die auf `Stimmungseffekte, Suggestion und Sophistik` gänzlich verzichtet. Statt dessen trete der Autor als `Danksager und Lobpreiser` der kleinen Dinge des Lebens auf.
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