Zbigniew Herbert

Der gordische Knoten

Drei Apokryphen
Cover: Der gordische Knoten
Friedenauer Presse, Berlin 2001
ISBN 9783932109256
Gebunden, 30 Seiten, 9,50 EUR

Klappentext

Mit Zeichnungen des Autors. Aus dem Polnischen übersetzt von Hendryk Bereska. Im Nachlaß von Zbigniew Herbert fanden sich drei Prosastücke: "Der gordische Knoten", "Die Stimme" und "Der Spiegel", die nun, drei Jahre nach seinem Tode, erscheinen und denen erstmals Zeichnungen beigefügt sind - die Zeichnungen waren kaum bekannt. Diese Prosastücke hat Zbigniew Herbert als Apokryphen bezeichnet. Es sind erfundene Geschichten, denen historische Ereignisse unterlegt sind, die der Autor fiktiv weiterführt...

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.06.2002

Achtung: Lohnendes Vergnügen! Yaak Karsunke findet staunenswert, wie diese drei kleinen Texte aus Zbigniew Herberts Nachlass Skepsis gegenüber "revolutionären und Erlösungs-Träumen" formulieren. Sowohl Phantasie als auch Sorgfalt lässt der Autor walten, wenn er etwa Alexander den Großen, der der Überlieferung nach den gordischen Knoten zerschlug, zum "Geburtshelfer jener brutalen Gewalt" werden lässt, "die sich seitdem durch die Geschichte zieht, bis hin zu den Stapeln brennender Bücher". Dann wiederum korrigiert er "sanft aber unnachsichtig" das Bild der Petrarcischen Laura. In diesem Band, meint Karsunke, sind die Apokryphen "Denk-Spiele, spielerische Reflexionen eines gebildeten Europäers".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2002

Der mit "döb" zeichnende Rezensent zeigt sich recht angetan von dem "kostbaren kleinen Heft", das Zeichnungen und kleine Texte des 1998 verstorbenen polnischen Dichters Zbigniew Herbert versammelt. Die Bezeichnung Apokryphen im Titel findet der Rezensent gut passend, da es sich seines Erachtens nicht um Essays oder um Erzählungen, sondern um "Vermutungen, von der poetischen Art", um "reflektierende Lyrik" handelt. Themen sind Kunst, menschlicher Eitelkeit und Politik, berichtet der Rezensent. Dabei erweist sich der Autor nach Ansicht des Rezensenten stets als "nachdenklicher Erbe der Mythen und Weisheiten des frühen Abendlandes", der sich von vermeintlich sicheren Wissen nicht täuschen lässt. Herberts Vermächtnis, lobt der Rezensent, "ist die Schraffierung oder die Ausleuchtung der Leerstellen, die sich innerhalb des verbürgten Wissens immer wieder auftun für den, der danach sucht."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 03.01.2002

Ach, Klarheit, ach, Rätsel! Lothar Müller schätzt vor allem die Dialektik Herberts, die den Leser dieser Texte über klare Sätze hin zu Rätseln geleitet, die "eigentlich schon gelöst" sind. Wer wüsste nicht, wie Alexander der Große mit dem gordischen Knoten verfuhr? Allein: "Ebenso geduldig wie zielstrebig verwandelt Zbigniew Herbert überlieferte Lösungen wieder zurück in Rätsel." Das klingt für Müller dann nach "Kafkas Mythen-Reprisen". So stehen Autor wie Leser am Ende wieder vor dem Rätsel der Petrarcaschen Laura oder eben eines unzerschlagenen Knotens, "in dem sich womöglich 'eine wichtige Inschrift befand ... oder vielleicht das Modell einer Kosmologie'".
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