Aus dem Arabischen von Larissa Bender. Nach einem abenteuerlichen Leben schreibt der koptische Mönch Hypa seine Erinnerungen nieder, um Rechenschaft abzulegen: über seine eigenen Verfehlungen, die der frühchristlichen Kirche und vielleicht sogar der Gläubigen überhaupt. Geboren im südlichen Ägypten, wuchs Hypa noch mit dem Glauben an die alten ägyptischen Götter auf. Als junger christlicher Mönch studierte er später Medizin, begab sich auf Wanderschaft und geriet mitten in die leidenschaftlichen theologischen Auseinandersetzungen, die im fünften Jahrhundert die Kirche erschütterten: In Alexandria erlebt Hypa, zu welch grausamer Gewalt Christen fähig sind, in den Höhlen am Toten Meer betet er um Erleuchtung und Erlösung von seinen Seelenqualen, in Jerusalem lernt er Bischof Nestorius kennen, der wegen widerstreitender theologischer Auffassungen exkommuniziert wird, und in einem abgeschiedenen Bergkloster zwischen Antiochia und Aleppo schreibt er schließlich auf, was ihm alles widerfahren ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.01.2012
Beachtlich und mutig findet Stefan Weidner die Beschäftigung des Autors mit der christlichen Tradition der koptischen Kirche Ägyptens, namentlich mit dem Bischof Cyrill von Alexandria. Den teils heftigen Reaktionen der Kopten bei Erscheinen des Romans 2008 möchte der Rezensent widersprechen. Er findet das Buch human und frei von religiöser Hetze und erkennt die Kritik des Autors nicht gegen die Kopten gerichtet, sondern gegen einen radikalisierten Islam. Das der Text für deutsche Leser nicht die gleiche Faszination birgt wie für arabische Leser, führt Weidner auf die rhetorischen Besonderheiten des Arabischen zurück, die er in der an sich gelungenen Übersetzung von Larissa Bender nicht wiederfindet, sondern mitunter sogar "unweigerlich" parodiert sieht. Für Weidner liegt der Reiz denn auch eher in der historisch-theologischen Dimension des Textes, die Youssef Ziedan ihm akkurat und knapp vermittelt. Spannung aufzubauen gelingt dem Autor laut Weidner hingegen kaum. Zu blass bleibt die Hauptfigur, kein Picaro beileibe nicht, bedauert er, eher ein Simplizissimus, und die Handlung findet er erschreckend frei von jeglichem Witz.
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