Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich. Wenn der Magen leer ist und lange leer bleibt, breitet sich die Leere im ganzen Menschen aus. Sie bemächtigt sich seines Gehirns und seiner Emotionen. Die Suche nach Nahrung wird zum Lebensinhalt, der Mangel zum Dauergedanken. Und der Hunger treibt zu anderen Fragen - existentiellen, politischen, theologischen -, denn er macht auch Klassenunterschiede sichtbar, die sich durch vereinzelte Aktionen der Nächstenliebe nicht übertünchen lassen. Diesen Zustand führt Muhammad al-Bissati in seinem neuen Roman vor. Am Beispiel einer Familie aus einer ägyptischen Kleinstadt zeigt "Hunger" die täglichen Anstrengungen der Nahrungsbeschaffung und die Visionen, die über das tägliche Brot hinausgehen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2010
Eine berührende Variation eines großen Themas erblickt Angela Schader in Muhammad al-Bissatis Roman "Hunger". Wie es dem ägyptischen Autor gelingt, den Leser unvermittelt auf Augenhöhe der Protagonisten zu bringen, deren Existenz von permanentem Hunger geprägt ist, findet sie sehr beeindruckend. Der Hunger erscheint für sie hier nicht wie in Knut Hamsuns Roman "Hunger" als individuelle Krisenerfahrung, sondern als andauernde, dumpfe Lebensform. Auch wenn Muhammad al-Bissatis Roman "Hunger" in ihren Augen vielleicht nicht in gleicher Weise Weltliteratur ist wie Hamsuns gleichnamiger Roman, darf er nach Ansicht der Rezensentin durchaus "Weltgeltung" beanspruchen.
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