Aus dem Arabischen von Doris Kilias. Die Bilder im alten Haus am Nil sind Muhra seit ihrer Kindheit vertraut. Da ist zum Beispiel das Foto der drei Schwestern mit den bunten Schleifen im Haar. Oder ein Gemälde, von einem durchreisenden Franzosen gemalt: Beduinen sitzen um ein Feuer und sehen einer verschleierten Frau beim Tanz zu. Und von ihrem Vater gibt es Fotos mit seinem Lieblingsfalken und mit edlen Araberpferden. Jedes der Bilder birgt ein Geheimnis. Welche der drei Schwestern ist Muhras Mutter? Wer ist die tanzende Frau am Feuer? Weshalb nahm der Vater für reiche Ölscheiche an Falkenjagden teil, die nichts als eine Farce waren? Muhra will die Wahrheit wissen und sucht ihre Spuren in Erinnerungsfetzen, in den Geschichten der Alten, in versteckten Aufzeichnungen und Skizzen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.06.2006
Formal avanciert und dennoch leidenschaftlich sei Miral al-Tahawis erneut autobiografisch gefärbter dritter Roman, lobt Rezensentin Angela Schader. Dank einer ausschnitthaften Erzählweise gelinge es der Autorin, Geschichten von brutal unterdrückten beduinischen Frauen und ihrem Macho-Pascha zu erzählen, ohne ins Klischee zu verfallen oder billige moralische schwarzweiß Malereien zu betreiben. Indem Miral al-Tahawi die patriarchalischen Strukturen der Beduinen vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund ihrer Enteignung von Land und Besitz zeigt, dokumentiere sie gewissermaßen mit dem Untergang der eigenen Kultur das hilflose und "gebrochene" Verhalten der Immer-noch-Paschas. Als eher bewahrend denn zerstörend oder gar denunzierend versteht die Rezensentin diese Art von "scharfsichtiger" Hommage.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2006
Einmal mehr zeige sich Mira al-Tahawi als großartige Erzählerin, jubelt Rezensentin Sabine Berking. Parallel zur Suche der weiblichen Hauptfigur nach ihrer Herkunft und leiblichen Mutter versuche auch die Autorin eine Form des Romans und Erzählens zu finden, die zu ihrem Projekt des autobiografischen Schreibens in der arabischen Welt passt. Das Ergebnis vergleicht die Rezensentin einerseits mit Tausendundeiner Nacht, wo das Erzählen ja auch um Kopf und Kragen geht, andererseits mit den für den Leser irritierenden und rätselhaften Erzählkonstruktionen des "nouveau roman". Träume und Erinnerungen, so die Rezensentin, seien als eine Art "poetischer Irrgarten" komponiert von "melancholischer Schönheit". Noch jede Figurenbeschreibung gerate bei Mira al-Tahawi zum Gedicht.
Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Daniel Kehlmann: Afrika Im Winter 1884 versammeln sich auf Einladung Bismarcks die großen Mächte zu einer Konferenz, auf der ein ganzer Kontinent mit all seinen Reichtümern aufgeteilt werden soll:… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren…