Aus dem Koreanischen von Christina Il-Sook Youn-Arnoldi. Korea in den 60er Jahren: In einem kleinen Hafenort bereitet sich ein junger Mann auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vor. Nebenbei arbeitet er als Buchhalter für seinen Bruder, der in einem kleinen Kahn aus einem Fluss Sand baggert, um damit Geld zu machen. Er begegnet dem 'Geschwisterpaar aus der Villa' und freundet sich mit den beiden an. Als er aber erfährt, dass die Schwester die Mätresse eines reichen Mannes ist, der sie und ihren Bruder aushält, bringt er seine Prüfungen hinter sich und verlässt das Dorf. Er beginnt mit seinem Studium und gerät sehr schnell in Konflikte mit dem herrschenden gesellschaftlichen System. Ihm, dem mittelosen Student, begegnet in Seoul seine erste große Liebe, die aber an den bestehenden Standesschranken zerbricht. Daraufhin begibt er sich auf eine Reise durch Südkorea und sucht nach einer neuen Perspektive für sein Leben. Die Reise endet mit seiner Ankunft am Meer, von dem er sich eine Antwort erhofft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.10.2005
Welches Thema die koreanische Literatur auch behandelt, und welche stilistischen Mittel sie auch dabei benutzt - die katastrophale Geschichte des Landes im 20. Jahrhundert spielt immer eine Rolle. Und wenn sie nur im Hintergrund lauert, wie bei diesem "stark autobiografisch" geprägten Roman von Yi Munyol, schreibt Ludger Lütkehaus. Das Buch erschien im Original erstmals 1987 und erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der sich auf die Aufnahmeprüfung für die Universität vorbereitet. In einem kleinen Dorf nahe der Millionenmetropole Pusan erfährt dieser "koreanische Villon" die Freuden des "siegreichen Monokapitalismus" und die anarchische Freiheit des Studentenlebens. Die Bedrohung durch die allgegenwärtige Staatsgewalt, die nach Kommunisten fahndet, wird dabei kontrastiert durch die "mit überraschender Heiterkeit" dargebotenen Saufexzesse der studentischen Opposition, schreibt Lütgehaus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.2005
Recht angetan zeigt sich Rezensent Steffen Gnam von diesem Bildungsroman des koreanischen Autors Yi Munyol. Angesiedelt im Korea der sechziger Jahre rekapituliere Munyol in seinem autobiografisch gefärbten Roman die Umbrüche jener Zeit. Die geschilderten Jahre an der Universität erscheinen Gnam als "tragikomisches Interludium im Soundtrack der sechziger Jahre zwischen Studentenprotesten und Mondlandung", dem eine philosophische, mit märchenhaften Elementen angereicherte Reise des mittlerweile an der Universität gescheiterten Helden an das Meer folge. Insgesamt versteht Gnam die "Jugendjahre" als eine "Parabel auf eine Zeit zwischen Anpassung und Aufbegehren, Wahn und Wahrheit, Vernunft und Verzweiflung, die sich im Zweifelsfall als reinste aller Seinsweisen entpuppt".
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