Yehuda Koren, Eilat Negev

Im Herzen waren wir Riesen

Die Überlebensgeschichte einer Liliputanerfamilie
Cover: Im Herzen waren wir Riesen
Econ Verlag, München 2003
ISBN 9783430171533
Gebunden, 300 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Es lebten einmal sieben Zwerge in Transsylvanien, die ihren Lebensunterhalt erfolgreich als Künstler und Musiker verdienten. Doch im Mai 1944 nimmt das Märchen der "Liliput Troupe" eine jähe Wendung. Josef Mengele, der "Todesengel von Auschwitz", sondert die Familie an der Rampe für seine Menschenversuche aus. Yehuda Koren und Eilat Negev haben mit Perla Ovitz, der Jüngsten der Geschwister, diese außergewöhnliche Geschichte aufgezeichnet. Entstanden ist ein Porträt über das Leben jüdischer Künstler in Osteuropa, ein erschütterndes Zeitdokument, aber auch ein Buch, das Mut macht: Denn die sieben Zwerge bewahrten elf weitere Menschen vor dem Tod und schufen sich Dank ihres Talents und starken Willens eine neue Existenz in Israel.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2003

Birgit Weidinger stellt ein Buch vor, das sie sehr beeindruckt hat. Yehuda Koren und Eilav Negev erzählen darin die Überlebensgeschichte einer Liliputanerfamilie im Dritten Reich. Die Autorinnen konnten sich dabei noch auf den Augenzeugenbericht von Perla Ovitz stützen, die 2002 gestorben ist, so Weidinger. Perla Ovitz war das jüngste Mitglied der jüdisch-rumänischen Familie Ovitz; der Vater Shimshon wurde nur ein Meter groß, einige seiner Kinder waren wie er kleinwüchsig, andere erreichten eine durchschnittliche Körpergröße. Vor dem Krieg reiste der Clan als Schausteller- und Komödiantentrupp durch Osteuropa, nach ihrer Deportation nach Auschwitz wurden die Mitglieder als "die sieben Zwerge" Dr. Mengele unterstellt, der sie zwar vor der schnellen Ermordung rettete, dann jedoch für medizinische Experimente missbrauchte. Perla Ovitz wollte nie bedauert werden, berichtet Weidinger; schließlich habe ihr die Kleinwüchsigkeit das Leben zwar mehr als schwer gemacht, hätte Ovitz gesagt, aber sie habe es ihr eben auch gerettet. Bedauern hat sich deshalb bei Weidinger nicht eingestellt, sondern Trauer und Wut über das Geschehene.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003

In ihrem Buch "Im Herzen waren wir Riesen" erzählt das israelische Journalistenpaar Yehuda Koren und Eliat Negev, wie die kleinwüchsige Familie Ovitz in Auschwitz-Birkenau überlebte, berichtet Rezensentin Viola Roggenkamp. Die fünf Schwestern und zwei Brüder, vor ihrer Deportation nach Auschwitz die "beliebteste Liliput-Truppe Osteuropas", waren Versuchspersonen von Josef Mengele. Ihre Überlebensgeschichte haben Koren/Negev nach Auskunft Roggenkamps mit einer Fülle von Recherchematerial über die Perversitäten deutsch-österreichischen Forschungseifers im Nationalsozialismus umgeben. Das Buch wecke beim Lesen Schaulust und in der Folge Abwehr und Schamgefühle, sein journalistischer Ton wirke gelegentlich trivial, hält Roggenkamp fest. "Doch man begegnet kleinen Menschen", erklärt die Rezensentin abschließend, "die ihr Leben lang nichts anderes machten, als sich zur Schau zu stellen, und denen nichts so wichtig war, wie gesehen, beachtet, bestaunt zu werden."

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