Maria Angels Anglada

Die Violine von Auschwitz

Roman
Luchterhand Literaturverlag, München 2009
ISBN 9783630873268
Gebunden, 170 Seiten, 18,95 EUR

Klappentext

Aus dem Katalanischen von Theres Moser. Bei einem Gastspiel in Krakau lernt der Pariser Musiker Climent die polnische Geigerin Regina kennen, die ihn mit ihrem virtuosen Spiel und dem vollen Klang ihrer Geige tief beeindruckt. Sein Interesse für diese besondere Violine führt ihn auf die Spur einer Geschichte, die im nationalsozialistischen Deutschland ihren Anfang nimmt. Es ist die Geschichte des jüdischen Geigenbauers Daniel, der in einem Nebenlager von Auschwitz interniert ist. Eines Tages bekommt er vom Kommandanten des Lagers den Auftrag, eine Geige in bester italienischer Tradition anzufertigen. Was Daniel aber erst später durch Zufall erfährt: Der Auftrag beruht auf einer infamen Wette des Kommandanten mit dem skrupellosen Lagerarzt: Gelingt Daniel der Bau der Geige, erhält der Kommandant eine Kiste Wein; wenn er scheitert, bekommt der Arzt Daniel als Objekt für seine teuflischen Unterkühlungsexperimente. Inmitten des Grauens erschafft Daniel schließlich ein Instrument von seltener Schönheit.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2010

Kersten Knipp ist von Maria Angels Angladas Roman über einen Geigenbauer in Auschwitz, der für den Lager-Kommandanten eine meisterhafte Geige baut und letztlich so überlebt, tief beeindruckt. Die nüchterne, ruhige Sprache der 1999 gestorbenen katalanischen Autorin kommt ohne Effekthascherei aus, und es gelingt ihr nach Meinung des Rezensenten vielleicht gerade dadurch, die Endlosigkeit des grausamen und dabei dennoch schrecklich monotonen Lageralltags zu evozieren. Gleichzeitig gelängen Anglada in den Abschnitten, in denen sie den Geigenbauer bei der Arbeit zeigt oder seine Gedanken über Musik und Virtuosentum wiedergibt, "wunderbare Passagen", die allerdings als Bruchstücke aus der grausamen Realität ragen, wie Knipp bemerkt. Beeindruckt hat ihn auch, wie die Autorin die Auschwitzvergangenheit ihres Protagonisten mit der Gegenwart verknüpft. Hier gelinge ihr eine großartige "Variation des Memento mori-Motivs", indem sie den Geigenbauer, der das Konzentrationslager überlebt, doch mit dem Tod konfrontiert, so Knipp gebannt.