Yasmina Khadra

Die Sirenen von Bagdad

Roman
Cover: Die Sirenen von Bagdad
Nagel und Kimche Verlag, München 2008
ISBN 9783312004096
Gebunden, 314 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Regina Keil-Sagawe. Erneut legt Yasmina Khadra einen packenden Polit-Thriller über die Logik des Terrorismus vor. In der Folge einer mitleidlosen Razzia des US-Militärs wird ein junger unbeteiligter Mann aus dem Irak tief gedemütigt und muss seine Familie und sein Heimatdorf verlassen. Er beschließt, sein Leben der Aufgabe zu widmen, den Westen tödlich zu treffen. Plastisch und einfühlsam erzählt Yasmina Khadra vom Leben der Menschen in einer ausweglosen Spirale aus zerstörter Ehre und Hass in einem Land, das vom Krieg gezeichnet ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.08.2008

Mit großer Irritation hat Rezensentin Katharina Döbler den neuen Roman von Mohammed Moulessehoul alias Yasmina Khadra über einen Islamisten gelesen, den sie in einer sehr subjektiven, fast polemischen Art bespricht. Der Autor verstört sie vor allem mit der Behauptung von handlungsorientierenden Werten wie Ehre, die sie aber gar nicht zugänglich gemacht sieht. Damit verstößt Khadra für sie gegen eine Grunderwartung an die Literatur, nämlich Gedanken oder Gefühle anderer Menschen transparent zu machen, erst Recht, wenn sie wie hier zur Planung eines Anschlags auf einen Flughafen führen. So leuchtet ihr am Ende weder die Figur des Protagonisten noch der thematisierte "Kampf der Kulturen", die "Demütigung des Islams" oder "Ignoranz des Westens" wirklich ein, die die Figur den Vorgaben dieses Autors zufolge in den "Dschihadismus" führt, weshalb sie in der Geschichte kaum mehr als klischeehaftes "Hollywood-Katastrophenkino" sehen kann.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.06.2008

Der Fundamentalismus kann viele Ursachen haben. Ein der Rezensentin Claudia Kramatschek geradezu "freudianisch" anmutendes Ursprungsszenario beschreibt Yasmina Khadra im Irak-Roman "Die Sirenen von Bagdad": die Demütigung eines Beduinenvaters und seines Sohnes durch amerikanische Soldaten. Das hat sie zwar sehr beeindruckt, doch kann sie nicht umhin, den Versuch Khadras, dem westlich-einseitigen Bild vom fundamentalistischen Terror eine differenziertere Sichtweise entgegenzusetzen, als misslungen zu betrachten. Den Figuren und dem Roman hafte etwas Theoretisches an, bemängelt sie, und die Wandlung des friedliebenden Kindes zum hasserfüllten todbringenden Dschihad-Medium überzeugt sie nicht. Nachgerade verwerflich scheint Kramatschek die Uneindeutigkeit des Autors zu finden, der mit "Die Sirenen von Bagdad" den Abschluss seiner Trilogie über die "Logik des Terrorismus" geschrieben hat: Das Buch machte der Rezensentin nicht klar, gegen wen es sich richtet, "den ignoranten Westen oder den blinden Furor der Islamisten".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.06.2008

Kersten Knipp lobt nicht nur das flüssige Deutsch der Übersetzung, sondern auch den Spannungsbogen, die "überraschende Auflösung" gegen Ende des Buches. Wie Yasmina Khadra die finstere Lage im Irak nach dem Einmarsch der Amerikaner in "zerbrechlichen" Szenen schildert, findet er nachvollziehbar. Knipps Sympathie gilt dem Ich-Erzähler mit seinem Zorn auf die brutalen Besatzer, ohne dass er dabei das Gefühl hätte, der Autor folge einem Schwarzweiß-Schema. "Umsichtig", so Knipp, zeichne Khadra auch die aufständischen Iraker immer wieder als zynische Gewalttäter. Was Khadra hier schildert, liest Knipp als Kommentar zum west-östlichen Verhältnis. Khadras Botschaft, der Fundamentalismus im Irak habe konkrete Ursachen, die es zu beseitigen gelte, hat der Rezensent vernommen.
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