Woody Allen

Ganz nebenbei

Autobiografie
Cover: Ganz nebenbei
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2020
ISBN 9783498002220
Gebunden, 448 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Setfanie Jacobs, Hainer Kober, Andrea O'Brien und Jan Schönherr. "Ganz nebenbei" ist Woody Allens weitgespannter Rückblick auf das eigene Leben und  Werk. Er zeichnet die Stationen seiner Karriere auf der Bühne, vor und hinter der Kamera und als Autor nach und gibt Auskunft über seine Jugend, über Familie und Freunde wie über die Lieben seines Lebens.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.03.2020

Rezensent Daniel Kothenschulte ist überrascht, dem Regisseur Woody Allen großes Schreibtalent attestieren zu können. Allens Erinnerungen sind dem Kritiker zufolge bunt und fesselnd, erzählen von einer unglaublich glücklichen Kindheit, ohne den Blick auf die Welt vermissen zu lassen, und spielen wie erwartet ausschließlich in der Großstadt und über große Strecken auch im Kino. Den Sensationsgierigen verrät der Kritiker, dass der Filmemacher im letzten Kapitel auch auf die Missbrauchsvorwürfe seiner Tochter eingeht, die er abstreitet. Kothenschulte, der Allen bei Ungenauigkeiten ertappt hat (angeblich hat Allen Pollock mit 15 Jahren im Museum für sich entdeckt, als der Maler aber noch gar nicht ausgestellt wurde), hofft, dass der Regisseur die Wahrheit nicht auch an anderen Stellen verbiegt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.03.2020

Rezensentin Verena Lueken gräbt sich durch einen Wust von nebensächlichen Familiengeschichten, Mittagsessen mit berühmten Zeitgenossen und Filmanekdoten bis zum Kern der Autobiografie von Woody Allen. Der besteht gerade mal aus 50 Seiten, meint Lueken, und enthält dann doch auch nichts Neues zum Missbrauchsvorwurf gegen den Autor. Unangenehm findet Lueken diese Lektüre, einmal wegen der Details, dann wegen Allens Bedürfnis sich ganz allgemein zu rechtfertigen, und schließlich weil er von den Verhältnissen im Filmbusiness und den gesellschaftlichen Veränderungen, als deren Opfer er sich sieht, offenbar nichts begriffen hat, wie Lueken findet.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 26.03.2020

Rezensent Martin Eimermacher scheint die Anekdoten über Kindheit, frühe Prägungen, Dreharbeiten und Begegnungen (mit Bergmann u.a.) zu genießen, die Woody Allen in seiner Autobiografie nonchalant plaudernd zum Besten gibt. Unterhaltsam sei das schon, schreibt der Rezensent mit allerdings spürbaren Skrupeln angesichts der Vorwürfe gegen Allen wegen angeblichen Kindesmissbrauchs. Was der Autor dazu zu sagen hat, nimmt den Anschuldigungen laut Rezensent durchaus einiges an Schärfe. Allerdings gilt auch hier: Nichts Genaues weiß man nicht, so erklärt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.03.2020

Rezensent David Steinitz, der vor zwei Wochen scharf kritisierte, dass der Hachette-Verlag nach Protesten von AutorInnen und MitarbeiterInnen Woody Allens Autobiografie nicht mehr veröffentlichen wollte, prescht nun mit einer Besprechung des Buches vor, das am Samstag erscheint. Steinitz stellt jetzt allerdings die Frage, ob sich Woody Allen mit diesem Buch einen Gefallen getan hat: Der launige Ton, in dem der Regisseur parliert, passt wunderbar zu Geschichten über seine Woody-Allen-Werdung oder seine jüdische Übermutter. Aber nicht zu den Missbrauchsvorwürfen, die Mia Farrow seit Jahrzehnten gegen ihn erhebt: Was in der vielköpfigen Familie nun geschehen ist, lässt sich natürlich auch nach diesem Buch nicht sagen, betont Steinitz. Unangenehm findet er allerdings, wie Allen die Ermittler und Richter von damals mit Vorwürfen überzieht: "Denn fürs Dreckschmeißen waren bislang vor allem Farrow und ihre Unterstützer zuständig."
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