Mit Beiträgen von: Otto Gritschneder, Manfred Messerschmidt, Tilmann Moser, Florian Rohdenburg, Andreas Streit, Wolfram Wette. Der politische Skandal um Hans Filbinger, den ehemaligen NS-Marinerichter und späteren Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, liegt nun schon länger zurück. Schon die historischen Fakten, die exemplarisch eine Karriere erst im NS-Staat und dann in der Bundesrepublik Deutschland offenbarten, waren empörend genug. Filbingers Versuch einer Selbstverteidigung aber machte aus der Empörung einen handfesten Skandal, der den Ministerpräsidenten schließlich zu Fall bringen sollte. Obwohl der Fall Filbinger schon 1978 von Journalisten gut recherchiert wurde, gibt es bis heute in Buchform nur parteipolitisch motivierte Apologien, aber keine umfassende, sachliche und kritische Darstellung.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 22.01.2007
Bemerkenswert scheint Magnus Koch dieser Sammelband über den Fall Filbinger und die Wehrmachtsjustiz, den Wolfram Wette herausgegeben hat. Wie er unterstreicht, thematisieren die Beiträge nicht allein die Person Filbingers, der 1978 wegen seiner Mitwirkung an Todesurteilen während des Dritten Reichs von seinem Amt als Ministerpräsident Baden-Württembergs zurücktreten musste. Im Fokus des Bands sieht er vielmehr die Verantwortung der NS-Militärrichter insgesamt sowie ihre Karrieren nach 1945. Höchst instruktiv findet er Manfred Messerschmidts Beitrag über die Handlungsspielräumer der Militärjustiz, der die große Eigeninitiative der Wehrmachtsjuristen vor Augen führt. Weiterhin hebt er die Beiträge von Helmut Kramer und Joachim Perel über die Karrieren der Wehrmachtsrichter in der Bundesrepublik hervor. Besonders Perel weise anhand zahlreicher Beispiele nach, "dass ehemalige NS-Juristen in der Bundesrepublik ihr 'gesetzliches Unrecht' von einst 'in eigener Sache' neu legitimierten". Im Blick auf die historische Bewertung der Wehrmachtsjustiz würdigt Koch den Band abschließend als "wichtige Positionsbestimmung".
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 28.09.2006
Rudolf Walther begrüßt diesen von Wolfram Wette herausgegebenen Sammelband über den ehemaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Hans Filbinger, der 1978 wegen seiner Vergangenheit als NS-Militärrichter zurücktreten musste und sich bis heute als Opfer einer "Rufmordkampagne" betrachtet. Den acht Beiträgen des Bandes attestiert er eine gründliche Analyse und Dokumentation des Falls Filbinger. Deutlich wird für ihn, dass dessen Beteuerungen, keine Todesurteile gefällt zu haben, nicht der Wahrheit entsprachen. Besonders hebt er den Beitrag des Militärhistoriker Manfred Messerschmidt hervor. Dieser belege die großen Handlungsspielräume der Nazirichter hatten, die sie aber nicht nutzen wollten, um den NS-Oberen zu gefallen.
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